Bibliophile Schatzkammer – Das Studienzentrum für Künstlerpublikationen in der Weserburg

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Blick in die Sammlung des Studienzentrums Foto: Bettina Brach

Dr. Thurmann-Jajes/Christina Haas

Es sind kleine Kostbarkeiten, die selten in musealen Ausstellungen zu finden sind und oft im Verborgenen Humor und unbändige Kreativität versprühen. Wer im Besitz einer Künstlerpublikation ist, hat den Künstler gekannt oder sie auf verschlungenen Wegen ergattert. Das Studienzentrum für Künstlerpublikationen sammelt diese im großen Stil – und macht sie für die Besucher zugänglich.

Aktuell umfasst das Studienzentrum über 30 verschiedene Archive, Nachlässe, Fonds und
Sammlungen mit insgesamt über 100.000 publizierten Kunstwerken aus der ganzen Welt.
Der einzigartige Bestand setzt sich aus ca. 25 verschiedenen Gattungen von Künstlerpublikationen zusammen.

Der Begriff „Künstlerpublikation“ schließt dabei sämtliche Formen publizierter Kunstwerke ein wie z. B. Künstlerbücher, Multiples, Buchobjekte, Künstlerzeitungen und -zeitschriften, Ephemera wie von Künstlern gestaltete Plakate und Einladungskarten, Foto-Editionen, Postkarten, Briefmarken, Aufkleber, Grafiken, grafische Arbeiten, Künstlerschallplatten, -kassetten und andere Tonträger, Multimedia-Editionen auf CD-ROM und DVD sowie Künstlervideos und -filme etc.

Mit der ersten autonomen und öffentlich zugänglichen Abteilung für Künstlerbücher in einem Museum für zeitgenössische Kunst schuf das Neue Museum Weserburg Bremen (heute Weserburg │Museum für Moderne Kunst) 1991 den Ausgangspunkt für das Studienzentrum. 1999 folgte mit dem Ankauf des Archive for Small Press & Communication (ASPC) die Gründung des Studienzentrums für Künstlerpublikationen. Unter der Leitung von Dr. Anne Thurmann-Jajes und in enger Zusammenarbeit mit der Universität Bremen hat sich das Studienzentrum seitdem zu einem der international bedeutendsten Standorte für Künstlerpublikationen entwickelt.

Vergleichbar einem „Museum in einem Museum“ bildet das Studienzentrum eine eigenständige Abteilung in der Weserburg und wird von der Universität Bremen und dem Museum gemeinsam getragen. Im Studienzentrum sind Werke von ca. 3.000 internationalen Künstlerinnen und Künstlern aus allen künstlerischen Strömungen seit den 1950er-Jahren vereinigt.

So sind neben Werken von PopArt-Künstlern wie Andy Warhol und Ed Kienholz auch Publikationen aus dem Bereich der Minimal Art und Concept Art, zum Beispiel von Sol LeWitt oder Daniel Buren, vertreten. Stark präsent sind auch die Visuelle und Konkrete Poesie mit Werken von Gerhard Rühm, Franz Mon oder Henri Chopin. Vollständige Werkkomplexe von Christian Boltanski oder Ben Vautier zählen ebenso zum Bestand des Studienzentrums wie die zahlreichen publizierten Kunstwerke aus Lateinamerika und Polen.

Künstlerbücher bilden in der Sammlungstätigkeit des Studienzentrums für Künstlerpublikationen einen besonderen Schwerpunkt. Das Künstlerbuch ist als eigenständiges bildnerisches Medium ein wichtiger Bereich der Gegenwartskunst, in dem sich die Kunstgeschichte wie in einem Mikrokosmos spiegelt. Das Sammeln von Künstlerbüchern bietet die Möglichkeit, einen Bestand an Kunstwerken aufzubauen, in welchem alle wichtigen Künstlernamen, Stile und Richtungen zeitgenössischer Kunst vertreten sind und der zugleich die Vielfalt künstlerischen Wirkens außerhalb traditioneller Institutionen widerspiegelt.

Seit den 1960er-Jahren wählten Künstler das Buch, weil das Medium ihrer Intention der Bild- und Sprachbenutzung sowie internationaler künstlerischer Kommunikation entsprach. Bereits mehrfach stand das Künstlerbuch im Zentrum von Ausstellungen des Studienzentrums, beispielsweise 2001/2002 bei der Überblicksschau „Malerbücher – Künstlerbücher“.

Die Forschungsaktivitäten des Studienzentrums sind eingebunden in den Forschungsverbund Künstlerpublikationen. Neben Grundlagenforschung auf dem Gebiet der publizierten Kunst ist das erklärte Ziel, diese Kunstform als neues wissenschaftliches Arbeitsfeld zu etablieren, die Forschungsergebnisse in der „Schriftenreihe für Künstlerpublikationen“ zu veröffentlichen und sich besonders um eine Vermittlung in der breiten Öffentlichkeit zu bemühen.

Mehrere Ausstellungen pro Jahr zu einzelnen Künstlern oder bestimmten Themenkomplexen sowie zahlreiche Publikationen und Veranstaltungen gewähren dem Publikum Einblicke in den umfangreichen und mannigfaltigen Bestand des Studienzentrums und dessen wissenschaftliche Erschließung. Daneben steht den Besuchern ein Studienraum mit einer ständigen Präsentation aus den Sammlungen und Archiven zur Verfügung. Ergänzend erfüllt das Studienzentrum außerdem die Aufgaben einer Spezialbibliothek, Mediathek und Dokumentationsstelle, in der neben Sekundärliteratur auch Zeitdokumente zu finden sind.

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Studienzentrum für Künstlerpublikationen Weserburg | Museum für moderne Kunst
Teerhof 20, 28199 Bremen www.weserburg.de

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