
Das BMW Guggenheim Lab kurz vor der Eröffnung / Foto: Julia Schmitz
“Machen wir uns nichts vor: Prenzlauer Berg ist schon längst durchgentrifiziert”, lächelt Maria Nicanor, Kuratorin des BMW Guggenheim Lab, in die Kameras. Und doch ist das Areal des Pfefferbergs kurz vor der Eröffnung des Projektes am Freitag großzügig von Polizisten bewacht.
Das zunächst anvisierte Areal in der Kreuzberger Cuvrystraße hatten die Veranstalter aufgeben müssen, nachdem es heftige Proteste seitens der Anwohner sowie vereinzelte Drohungen gegeben hatte. Und in der Tat: Inmitten der pastellfarben sanierten Altbauten und neumodischen Townhouses im Prenzlauer Berg wirkt das mobile Lab viel weniger fremdartig, als es möglicherweise auf der Brache an der Spree getan hätte.

Kuratorin Maria Nicanor / Foto: Julia Schmitz
Für die nächsten sechs Wochen soll es der Anlaufpunkt werden für die Bewohner Berlins. “Wir wünschen uns, dass alle kommen, von 4 bis 99 Jahren, alle die für uns sind und gegen uns sind”, so Corinne Rose vom Lab Team Berlin. Gemeinsam soll hier erforscht und diskutiert werden, was eine Stadt lebenswert macht, wie sich das urbane Zusammenleben so angenehm wie möglich gestalten lässt und was jeder einzelne dazu beitragen kann. Dabei steht der Diskussionsprozess im Mittelpunkt: “Wir sind nicht hier, um Antworten zu geben”, erklärt Rose weiter.
Freiluft-Fitness und Müllsezierung
Das von den vier Organisatoren Corinne Rose, José Gómez-Márquez, Carlo Ratti und Rachel Smith in vier Bereiche aufgeteilte Programm gestaltet sich vielfältig: Von Freiluft-Fitness im Pfefferberg und einem Fahrrad-Sicherheitstraining, über den Bau eines durch Sonnenenergie betriebenen Kaffeerösters oder einer Sofortbildkamera aus Legosteinen, bis hin zu Müllsezierung und einer Tour durch die Berliner Clublandschaft werden unterschiedliche Themen angesprochen.
Ein Schwerpunkt liegt dabei auf psychologischen Aspekten: Wer darf eigentlich entscheiden, wie eine Stadt gestaltet wird? Und wer entscheidet, was “schön” ist? Für die studierte Psychologin Corinne Rose ist es besonders spannend, eine Fragestellung aus vielen verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und sich mit zwischenmenschlicher Kommunikation zu beschäftigen. So wird es unter ihrer Leitung unter anderem um den Zusammenhang zwischen Architektur und Gefühlen gehen, den Einfluss der Natur auf das Verhalten und die Wahrnehmung und das Verständnis von Emotionen.
Das BMW Guggenheim Lab läuft vom 15. Juni bis zum 29. Juli auf dem Pfefferberg-Komplex in Berlin Prenzlauer Berg. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei, für manche Workshops ist eine vorherige Anmeldung nötig. Das detaillierte Programm können Sie auf der Homepage einsehen.

"Seed Bombs" basteln mit Etsy / Foto: Julia Schmitz







