Virtueller Wochenrückblick

... das Leben geht sowieso weiter / Foto: Julia Schmitz

“War doch gar nicht so gemeint”, hieß es am Anfang der Woche von Seiten des Künstlers Martin Zet, der zuvor mit seiner Aktion “Deutschland schafft es ab” für ziemliche Furore nicht nur in den deutschen Medien gesorgt hatte. Zu griffbereit war die Assoziation mit den Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten gewesen – und in dieser Hinsicht verstehen wir Deutschen nunmal keinen Spaß.

Nachdem verschiedene Kulturinstitutionen wie das Haus der Kulturen der Welt und das Institut für Auslandsbeziehungen schnell zurückgerudert waren und Erklärungsmails verschickt hatten, in denen sie sich von dem Projekt distanzierten, meldete sich auch der Künstler zu Wort: “Die Installation wird so nicht stattfinden”, erklärte er gegenüber der Berliner Morgenpost. Das sei allein deshalb schon nicht möglich, weil bisher kein einziges Buch bei einer der zahlreichen Sammelstellen abgegeben wurde. Ein paar Stunden später hieß es allerdings, ebenfalls in der Morgenpost, Zet werde an seiner Idee festhalten und “dem Druck nicht nachgeben”. Auch von Seiten des Kurators der 7. Berlin Biennale, Artur Zmijewski, ist kein Einlenken zu erwarten: Der Protest gegen die Recycle-Aktion sei typisch deutsch, erklärt er in einem Interview mit der FAZ. Die Deutschen hätten keine Identität, würden belastet durch ihre Vergangenheit.

Auf dem Blog Berlin-ist wird der heiße Protest überrascht betrachtet: “Heftige Sarrazingegner werden zu Gegnern einer Gegen-Sarrazin-Aktion”, heißt es dort verwundert. Und auch das Kotzende Einhorn begegnet der fragwürdigen Aktion mit einem Augenzwinkern: “Wo fängt Recycling an, wo beginnt Zensur? Ist das Kunst oder kann das in die selbe Ecke die sie bekämpfen will? Und für manche Piraten noch die “brennende” Frage, ob man ein paar alte Emma Ausgaben hinzulegen darf?!”

Analogfotografie vor dem Aus?

Immer mehr – vor allem junge – Menschen scheinen sich momentan für das Fotografieren mit einer Analogkamera zu interessieren, zumindest lässt ein Spaziergang durch Berlin dies vermuten. Dennoch musste nun mit Kodak einer der Pioniere der Fotoplatten Insolvenz anmelden – offenbar hatte man hier das Zeitalter der Digitalfotografie verschlafen. Und das, obwohl in den eigenen Reihen bereits 1976 ein Vorläufer der Digitalkamera entworfen wurde, lasen wir auf dem Blog Ideepalast.

Parallel dazu, aber nicht zwingend in Zusammenhang damit, hat die Photokina in Köln ihren Bereich für Fotokunst abgeschafft, schreibt artnet. Ersetzt werden soll die Ausstellung künftig durch einen “Boulevard of Competition”. Selbst wenn Analogfotografie auf der roten Liste steht: Fotografiert wird mehr denn je, das zeigt unter anderem das ausführliche und lesenswerte Interview mit Fotograf Christoph Neumann, welches unsere Kollegen von artconnectberlin führten. Und was wir nachher mit der ganzen Flut an Bildern anstellen und warum wir heutzutage überhaupt so viel knipsen, dass erörtert Steffi Weiss mit ihrem Text über das Bild in Zeiten der digitalen Reproduzierbarkeit.

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