Virtueller Wochenrückblick

Eines der wenigen unsanierten Überbleibsel im Prenzlauer Berg / Foto: Julia Schmitz

Unsere “Protest”-Ausgabe liegt seit Freitag druckfrisch in Galerien und Museen – und passt perfekt zu den derzeitigen Ereignissen in der Kunstszene der Hauptstadt (und anderswo). Wir fassen mal zusammen.

Die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Berlin werden immer schwieriger für Künstler, heißt es von Seiten der Aktionsgruppe “Haben und Brauchen“, die Anfang der Woche ihr Manifest veröffentlichte. Darin fordern sie unter anderem einen Mindestlohn für Kulturarbeiter, eine Gentrifizierungssteuer auf dem privaten Mietmarkt und freien Eintritt in Museen für Künstler. Eng verknüpft damit ist der Plan des Berufsverbandes der Bildenden Künstler, der sich bereits in Gesprächen mit dem Senat zwecks Neubau von Ateliers und Atelierwohnungen befindet. Denn langsam aber sicher wird es eng in der Hauptstadt!

Nach wie vor ein Thema, an dem sich die hiesigen Gemüter erhitzen, ist die umstrittene Aktion des tschechischen Künstlers Martin Zet. Genau, der mit der Sarrazin-Thesen-Recycle-Aktion. Dazu äußerte sich nun Katharina Kaiser, freie Kuratorin, auf den Seiten der Berlin Biennale: Warum unsterstelle man einem tschechischen Künstler eigentlich sofort, er wolle die Bücher vernichten, fragt sie? Was hätten wir mit dem Projekt assoziiert, hätte Zet es “zurückgeben” anstatt “abschaffen” genannt? Die taz äußerst sich eher kritisch: Zwar habe man das negativ konnotierte Wort “Sammelstelle” durch den Begriff der “Abgabestelle” ersetzt und so eine neue Semantik kreiert – attraktiver habe die das Projekt allerdings nicht gemacht, schreibt Ingo Arend.

Giti Nourbakhsch kündigte am vergangenem Samstag die Schliessung ihrer Galerie zu Ende März  mit einem selbst gedrehten Video an – eine grosse Galeristin verlässt die Bühne, der neben der ernsthaften Arbeit für die Kunst, eben auch das Miteinander einen grossen Stellenwert hatte. Was für ein cooler und würdevoller Abgang – RESPEKT!
Über ihre Gründe spekuliert David Ulrichs in Art in Amerika. Darauf wies Despina in ihrem Bpigs Newsletter hin. Well done!

Sündhaftteure Fritten

Etwas kurioser geht es momentan offenbar in München zu: Dort verklagte Stefan Bohnenberger seine ehemalige Galerie, weil diese ihm eines seiner Kunstwerke aus dem Jahr 1990 nicht zurückgeben kann. Worum es sich dabei handelt? Um zwei ebenso verschrumpelte Fritten, von denen der Künstler einen vergoldeten Abguß produziert hatte, weiß die Süddeutsche Zeitung. Bohnenberger fordert diese zurück, weil eine Kölner Kunstsammlerin bereit sei, 2.500 Euro für die Pommes zu zahlen.

Doch die Münchner Galerie ist da anderer Meinung, lesen wir im Monopol Magazin: Bei den Fritten habe es sich um unsignierte Belegstücke gehandelt, die dem Verfall preisgegeben waren, weil sie ihren Zweck erfüllt hätten. Ob der Künstler vielleicht selber lachen muss, wenn er vor Gericht erklärt: “Ich bin zu McDonalds gegangen, habe mir eine Tüte Pommes gekauft, mehrere Kreuze gelegt und dann eines ausgesucht für den Abdruck. Das ist das Original, von dem der Abguss gemacht wurde. Ein Original hat immer eine große Bedeutung”? Die spannende Entscheidung über den wahren Wert der Pommes ist für den 9. Februar angesetzt.

Um Geld geht es auch bei dem neuesten Projekt des Iren Frank Buckley: Dieser baut momentan ein Appartment in die Lobby eines leerstehende Bürogebäudes der Stadt – und zwar komplett aus geschredderten Geldscheinen, berichtet artschoolvets. Die Schnipsel im Wert von 1.400.000.000 Euro stammen aus der Irischen Notbank und werden nun in Veranda, Küche und Gelddusche umgewandelt.

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