Die Galerie als Multimedia-Location

Ausstellungsansicht in der Galerie Funke / Foto: Rebecca Hürter

Die Idee eine Galerie zu eröffnen hatte Claudia Funke bereits als Jugendliche. Besuche in der Düsseldorfer Kunsthalle und Reisen nach Berlin inspirierten sie Anfang der 1980er Jahre, Musik, Kunst und Dichtung in einem Ausstellungsraum zu vereinen. „Es war die Zeit von Punk und New Wave, als im Rheinland und auch in Berlin die ,Neuen Wilden’ sehr musikbezogen arbeiteten und ihre eigenen Erfahrungen in Clubs oder als Musiker in Bands in ihre Kunst einfließen ließen“, erinnert sich die Galeristin und studierte Kunsthistorikerin nun viele Jahre später mit Begeisterung.

Das Konzept eines Ortes, der die verschiedenen Ausdrucksweisen von Kunst kombiniert, sprach sie schon damals an. Die Idee existierte im Hinterkopf weiter und wurde durch die Auseinandersetzung mit Künstlern wie Andy Warhol, The Velvet Underground und Patti Smith, die mit vielfältigen künstlerischen Medien arbeiteten, weiter belebt. Es dauerte bis zum Jahr 2010, bis der Traum zur Realität wurde: Die Galerie Funke eröffnete in Kreuzberg.

Die spezielle Ausrichtung der Galerie ist „identisch mit mir selbst“ sagt Funke, die auch als Gitarristin und Sängerin in einer Band spielt: Ihr Interesse für Kunst und Musik vereinte sie bereits in einigen Veranstaltungen. So legte Ulrike Krone elektronische Musik auf, die sie während des Schaffensprozesses ihrer abstrakt-konstruktiven Tape-Bilder hört und Marcelina Wellmer erweiterte die Grenzen der Malerei, indem sie ihre Bilder im Zusammenspiel mit Lichtprojektionen und Zufallskompositionen ausstellte. Funke erzählt mit viel Freude von den Veranstaltungen in der Galerie, bei denen neue Kontakte geknüpft werden und ein immer größeres Netzwerk von Gleichgesinnten entsteht.

Videoabende, Lesungen und Konzerte – Claudia Funke würde den interdisziplinären Charakter der Galerie gerne noch ausweiten. Allerdings nur solange die Veranstaltungen nicht „zum Spektakel geraten. Die Inhalte und die Qualität der Kunst sollen im Vordergrund stehen und nicht hinter den Events verschwinden.“

Der demokratische Gedanke

Ähnlich wie den Künstlern und Musikern, mit deren Werken sich Funke seit ihrer Jugend auseinandersetzte, ist ihr der Bezug zur Gesellschaft wichtig: „Ich habe einen politischen Anspruch, der sich nicht nur auf die Sicht der Welt bezieht, sondern auch auf das ganze Kunstmarktgeschehen.“ In den 13 Ausstellungen, die bisher in der Galerie stattfanden, wurden ausschließlich die Arbeiten von Künstlerinnen präsentiert. Dabei ist es Funke neben einer Offenheit für queere Themen wichtig, die Rolle der Frauen zu stärken, „die bis heute in der Kunstszene benachteiligt behandelt werden.“

Neben etablierten gibt Funke auch jungen Künstlerinnen, die gerade die Kunstakademie abgeschlossen haben, eine Chance. Sie zielt auf eine gelungene Mischung auch im Hinblick auf den Verkauf und die Käuferstruktur. So finden sich nicht nur Werke der gehobenen Preisklasse im Programm der Galerie, sondern ebenfalls Arbeiten zu moderaten Preisen. „Das hat auch etwas mit dem demokratischen Gedanken zu tun, der sich in der Popkultur und der Musik widerspiegelt – Schallplatten, CDs und Musikdateien sind für viele erschwinglich.“

Kunst, die den Rahmen sprengt

Fotografie, Film, Malerei, Skulptur – trotz der unterschiedlichen Medien, die bereits in der Galerie ausgestellt wurden, lassen sich Gemeinsamkeiten zwischen den Werken erkennen: Es überwiegen konstruktiv-minimalistische und konzeptuelle Tendenzen. Funkes Vorliebe für einen multimedialen Ansatz sowie für Malerei, die die Grenzen der Leinwand überwindet oder als Installation den Raum mit einbezieht, wird in ihrem Ausstellungsprogramm deutlich.

Zurzeit sind in der Galerie Funke Werke von Silke Koch unter dem Titel „ground control“ zu sehen. Im Zentrum der Ausstellung der in Leipzig geborenen und in Berlin lebenden Künstlerin stehen raketenförmige Skulpturen, die die Künstlerin aus auf dem Flohmarkt entdeckten Objekten wie Vasen, Thermoskannen oder Eierbechern zusammenfügt. Sie stehen symbolisch für die Utopien ihrer Jugendzeit in den sechziger und siebziger Jahren, als im Osten und Westen der Kalte Krieg, das Wettrüsten und die Eroberung des Weltalls zentrale Themen waren. In den Fotografien der Serie „New Leipzig“ setzt sich Koch mit Fragen der Konstruiertheit von Identität und Geschichte auseinander.

Zur Finissage am 17. März wird ein Musik-Event stattfinden; bei einer Ausstellung mit dem Titel „ground control“ darf David Bowie nicht fehlen.

Dieser Beitrag wurde unter Galerien abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>