Ein Ort, der anders ist

Innenansicht Michaela Helfrich Galerie / Foto: Julia Schmitz

Es ist einer dieser strahlend blauen Herbsttage. Der Backsteinbau der ehemaligen Kindl- Brauerei Neukölln in der Werbellinstraße, in welcher sich die Michaela Helfrich Galerie befindet,  ragt aus der weiten Fläche empor. Hinter dem Gebäude spielen Kinder, als sei dies ein unentdeckter Ort.

Im alten Kesselhaus im Sudhaus ist es hell. Die 20 Meter hohen Fenster lassen viel Tageslicht in die Galerie und verleihen dem Raum etwas Museales. „Manchmal verirren sich Vögel in die Galerie, wenn sie zum Fenster herein fliegen“, erzählt Frau Helfrich. Der Boden ist urbelassen, die Mauern unverputzt. Was den Besucher hier erwartet ist purer Industriecharme. Es sei ein Ort, der anders ist, so die Galeristin.

An den unverputzten Backsteinmauern sind 10 Meter hohe Wände aufgestellt, die Helfrich aus einem ehemaligen Theater hat. Sie und ihr Team haben sie restauriert und weiß gestrichen. Nun zeigen sie Kunstwerke. Die Ordnung des Raumes durchbrechend leiten sie den Besucher dazu an, um die Bilder herumzuwandern und die Kunst zu entdecken. Die Präsentation der Werke hat hier einen offenen, unabgeschlossenen Charakter.

Insgesamt 20 Künstler vertritt die Galeristin. Ob kubistisch, surreal, düster oder bunt – den Schwerpunkt setzt sie auf Malerei. Aber auch fotografische Werke und Skulpturen hat sie im Repertoire.

Begonnen hat sie 2008 mit der CoachingCulture Gallery in der dritten Etage des Gebäudes. Mit dem Umzug ins Kesselhaus erneuerte sie 2011 den Namen ihrer Galerie. Auch wenn Frau Helfrich der ehemaligen Kindl-Brauerei bis heute treu geblieben ist – Berliner Kindl trinkt sie deshalb noch immer nicht.

Eine Hand voll Künstler wie Oliver Dehn, Christina Gay, Thomas Koch, Ralf Rose, Stefan Seitz, Nanako Shikata und Gerard Waskievitz begleiten Frau Helfrich von Anfang an. Andere sind hinzugekommen aus den bundesweiten Kunstakademien Dresden, Karlsruhe, Kassel, Leipzig, Stuttgart und Berlin. Viele von ihnen waren Schüler bedeutender Professoren wie Neo Rauch, Gustav Kluge, Stephan Balkenhol und Klaus Fußmann.

Ausstellungsansicht / Foto: Julia Schmitz

Sie als Kulturwissenschaftlerin hat schon in einigen Bereichen außerhalb der Kunst gearbeitet. Bei der Auswahl der Künstler sei die Ausdrucksstärke der Bilder für sie entscheidend. Die Bilder müssen nicht immer bedeutungsschwanger oder kryptisch sein, um einen künstlerischen Wert zu vermitteln.

In einem Nebenraum lagern beinahe vollständige Werkschauen der einzelnen Künstler, er ist für die Besucher auf Anfrage zugänglich. Das Publikum, das hier vorbeikommt, ist kein Laufpublikum. Es kommt wegen der Galerie hierher. Neukölln ist als Anziehungspunkt für Aussteller interessant geworden. „Ich habe schon immer hier gewohnt“, sagt Michaela Helfrich. Neukölln sei ihr Zuhause, seit es sie vor circa 25 Jahren von Heidelberg hierher verschlagen hat. Allerdings stehe der Bezirk noch in den Startlöchern. Man versuche, sich zu vernetzen.

So ist die Galeristin neben dem Alltagsgeschäft stets an Projekten und Kooperationen interessiert. Bei der Neuköllner Hängung im Sommer 2011 nahmen gleichermaßen erfahrende wie auch junge Künstler teil. Nach dem Konzept der Petersburger Hängung wurden die Bilder neben- und übereinander präsentiert, ohne einer qualitativen Wertung ausgeliefert zu sein. Solche Art von Projekten soll es auch weiterhin geben. Zuletzt wurde das gesamte Gebäude während der Kunstmesse Berlin Art Tower mit einem Mix aus internationaler Avantgarde und etablierten Berliner Künstlern bespielt. Ein internationales Gallery Meeting Berlin ist bereits für 2012 ist geplant.

Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 17 bis 20 Uhr, Samstag von 14 bis 20 Uhr und Sonntag von 15 bis 18 Uhr.

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Eine Antwort auf Ein Ort, der anders ist

  1. Herzlichen Glückwunsch zu dem Artikel.
    Ja, es ist ein besonderer Ort.
    Danke auch nochmals für die St. Petersburger Hängung.

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