
Werner Mahler, Ehepaar Köhler, Berka 1978
Mit der Teilung Deutschlands ging auch ein Riss durch die Fotografie: Während die Freiheit und Unabhängigkeit in der BRD im Grundgesetz verankert wurde, nutzte die DDR die Künste für die Durchsetzung und Präsentation ihrer kommunistischen Ideale. Doch auch während des real existierenden Sozialismus ließen sich Fotografen nicht davon abhalten, ihre Umwelt zu beobachten und dies auf Fotopapier zu bannen, wie die Publikation “Eros und Stasi. Ostdeutsche Fotografie” mit eindringlichen Bildern beweist.
Die Bandbreite der genutzten Stile ist dabei beeindruckend. Referenzen an die Ästhetik des Neuen Sehens der 1920er Jahre werden ebenso deutlich wie die Bildsprache der 1950er und die Straßenfotografie der 1970er – und das, obwohl ostdeutschen Fotografen der Zugang zu internationalen Entwicklungen der Kunst weitestgehend vorenthalten war.
Der Bildband, der die gleichnamige Ausstellung im Ludwig Forum Aachen 2010 begleitete, bietet den “Blick von Innen” auf die gesellschaftlichen Verhältnisse der DDR und die Lebensrealität der Bürger. Bezeichnend ist dabei die Fülle an einfühlsamen Aktfotografien, die sich im Werkzyklus unter anderem von Gundula Schulze Eldowy, Dirk Alvermann, Hans Praefke oder Thomas Steinert finden. Die Offenheit mit der die (in diesem Fall ausschließlich weiblichen) Modelle die Kamera auf sich ruhen lassen, offenbart mitunter einen Einblick in die Tiefen einer verletzten Seele mit all ihren Wunden und Narben.
Narben haben auch die Städte in großer Zahl vorzuweisen: Mit alter Bausubstanz, im Krieg zerstört und jahrelang außer Acht gelassen, bröseln die Gebäude dahin. Doch der Alltag in der DDR unterscheidet sich äußerlich nicht von anderen Städten Deutschlands, zeigen Aufnahmen von Hochzeiten, Kneipenabenden, Beerdigungen oder Modeschauen in Aufnahmen von Ute Mahler, Sibylle Bergemann oder Barbara Metselaar Berthold.
Die einzigen Farbfotografien der rund 100 in dem Bildband abgedruckten Aufnahmen aus der Sammlung Gabriele Koenig zeigen Räumlichkeiten, in denen die Staatsicherheit über all die Jahre ihr feingliedriges Überwachungsnetz pflegte: Mit Möbeln aus Pressholz, eierschalenfarbenen Gardinen und blutrotem Teppich in 60er-Jahre-Muster wirkt die “Mielke Etage” so, als hätte der Stasi-Chef sie eben erst verlassen. Der Blick auf eine mit tausenden Karteikarten gefüllte Regalreihe trägt einen schalen Beigeschmack mit sich.
Gabriele Koenig. “Eros und Stasi. Ostdeutsche Fotografie”. Kehrer Verlag, Heidelberg 2011. Festeinband, 192 Seiten 10 Farb- und 123 S/W-Abb., 36,00 Euro. ISBN 978-3-86828-216-0
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Harald Hauswald, 1.Mai, Alexanderplatz, Berlin 1987







