John Lurie – Künstler aus eigener Kraft

John Lurie: Jesus was in my garden once, 2005, Aquarell, Tusche, Ölpastel auf Papier, 25,5 x 35,5 cm

Das Grün des Gartens ist frisch und erinnert an einen lichtdurchtränkten Morgen im Frühling. Man kann sich durchaus vorstellen, dass Jesus hier einmal aufgetaucht ist.
„Jesus Was in My Garden Once“ ist eines der Original-Exponate in der ersten Soloausstellung von John Lurie in Berlin.

Abgesehen von einigen kleinformatigen Originalen gibt es hochwertige Prints zu sehen; die Themen variieren von Vergänglichkeit bis zu einer guten Portion Wut („This Was the Exact Moment Marge Decided to kill Her Husband“). „The Jugde Was Hypnotized by Alcohol“ zeigt eine Person mit einem Kopf, der aussieht, wie der eines vergifteten Aliens. Man würde sich ungern vorstellen, dass dieser Richter den eigenen Fall übernimmt! Ein vielschichtiges Aquarell, „Deer and Spotlight“, erinnert in seiner Struktur an japanische Kunst. Ein Hirsch steht am rechten Rand, und schaut paralysiert auf eine rote Ampel in der linken oberen Ecke. John Lurie selbst war an einem paralysierten Zeitpunkt in seinem schöpferischen Schaffen, als er aus Gründen einer chronischen Erkrankung von der Musik zur Malerei wechselte.

Der Bauhaus-Künstler Lazlo Moholy Nagy sagte einmal: „Ich glaube weniger an die Kunst als vielmehr an die Menschheit. Jeder teilt sich mit – vieles davon ist Kunst.“ John Lurie teilt sich mit – und das auf vielfache Art und Weise. Und das Ergebnis ist erstaunlich. Als Musiker gründete er 1978 zusammen mit seinem Bruder Evan Lurie die Avantgarde Jazz Band „The Lounge Lizards“ und revolutionierte die Idee des Jazz, indem er einfach einen neuen Stil erfand. Von überwältigender Energie und unglaublichem Tempo  in den Anfangsjahren entwickelte sich der Sound der Lounge Lizards zu einer ausgefeilten Struktur, in der sich meditative und energetisch- expressive Elemente vereinen. Vieles davon ist John Lurie.

Abgesehen vom Komponieren von Filmmusik (funkig energetisch für „Get Shorty“ oder aber von meditativer Schönheit für z.B. „Manny and Lo“), ist John dann auch mal eine Weile angeln gegangen. Doch nicht allein – im Schlepptau waren Gäste der Indie-Welt, wie z.B. Tom Waits und Willem Dafoe. Von einer japanischen Firma finanziert, zogen sie aus in verschiedenste Ecken der Welt, ohne Fachwissen, dafür aber mit viel gutem Willen. Daraus entstand die  TV-Serie „Fishing with John“.

John Lurie / Foto: Seiichi

Und als die Ausübung der Musik mit den Lizards auf der Bühne durch die ersten Schübe seiner Erkrankung erschwert wurde, schuf Lurie den imaginären Musiker Marvin Pontiac. Ein Alter Ego aus der Zeit des Blues, auf der website komplett mit Lebenslauf  und (leicht verschwommenen) Fotos ausgestattet. Auf dem gleichnamigen Album zu hören sind wunderbar poetische und humorvolle songs. „Small Cars“ z.B. beschreibt eine liliputanische Parallel-Welt, bevölkert mit winzigen Farmern, die glücklich und ungestört von der (normal-großen) Menschheit leben.

Zwei der „Lounge Lizards“ Alben zeigen auf dem Cover Malerei von John Lurie. Nachdem seine  Erkrankung auch das Saxophonspielen an sich immer unmöglicher machte, entwickelte er diese Ausdrucksform weiter und machte sie zu seinem neuen Medium. Seine Bilder sind ausdrucksstark und ehrlich und somit schön, genau wie die Musik. Und es gibt Gerüchte, dass die Besucher der PS1 MoMA  Ausstellung in New York so derartig über die Titel lachten, dass diese geändert werden mussten, um nicht von der Kunst an sich abzulenken. Abgesehen vom immer gegenwärtigen Humor jedoch hat sich nebenbei auch die Technik rapide entwickelt.

Die expressiven Aquarelle betrachtend, kann sich der Betrachter im Anblick der Geschichten verlieren, die diese erzählen.

John Lurie stellt zur Zeit in Berlin in der Martin Mertens Galerie, Brunnenstraße 185 aus. Die Ausstellung ist noch bis zum 29. April zu sehen, geöffnet ist Dienstag bis Samstag von 13 bis 18 Uhr.

Text: Cornelia Brelowski

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Eine Antwort auf John Lurie – Künstler aus eigener Kraft

  1. Horst Mellenthin sagt:

    Dank Deiner ersten Zusendung habe ich die Rezension nun zum 2. Mal lesen können. Macht neugierig auf mehr. Wäre natürlich schön, wenn man auch etwas hören könnte. Auf Dein Interview bin ich sehr gespannt. Das hattest Du Dir ja sehr gewünscht. Gratuliere, daß Du es geschafft hast. Wie geht dass mit HTML-Tags, bin da leider etwas blöd, vielleicht kann mir mein Sohn da weiter helfen.

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