
Der Blick durch die Galerie – Ausstellungsansicht Secret Stars** und Tilo Baumgärtel / Nadin Maria Rüfenacht, Foto: Ludger Pfaffrath
Betritt man die Ausstellungsräume von Wendt + Friedmann in der Berliner Heidestraße fühlt man sich gleich wohl: Dunkle Dielenböden, helle Wände und angenehme Lichtverhältnisse schaffen eine intime Atmosphäre. Seit dem Eröffnungstag der Galerie im September 2009 waren hier bereits interessante Ausstellungen, etwa von Amélie Grözinger, John Isaacs oder Moritz Schleime, zu sehen. Inhaber Andreas Wendt nimmt seinen Künstlern gegenüber eine besondere Haltung ein: Mehrere Jahre war er selber künstlerisch tätig und weiß daher, wie ein Leben zwischen Atelierarbeit, Ausstellungshektik und kreativen Herausforderungen aussieht.
Lange kannte Wendt nur die produzierende Seite des Kunstbetriebs: Nach seinem Abschluss als Meisterschüler von Katharina Grosse an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bezog er einen Atelierraum in der Chausseestraße. Nach zwei Jahren stand er vor einem Eingeständnis: „Ich habe mich in diesem unkommunikativen Atelierdasein sehr unwohl gefühlt und mir gar nicht vorstellen können, mein weiteres Leben so zu führen.“
Bei seiner täglichen Fahrradroute über die Kastanienallee wurde Wendt auf die Galerie Engler & Pieper aufmerksam, die mit dem unkonventionellen Motto „Jede Woche eine Eröffnung“ geleitet wurde. Hier erhielt er nicht nur erste Einblicke in die Galeriearbeit, sondern auch die Gelegenheit, im Jahr 2004 eine Gruppenausstellung auf dem 1. Berliner Kunstsalon zu kuratieren: „Mit dieser Erfahrung im Hinterkopf hatte ich den Wunsch, eine eigene Galerie zu gründen.“ Zwei Jahre lang betrieb Wendt eine Produzentengalerie in der Zehdenicker Straße, bis er sich mit Unterstützung seines stillen Teilhabers Mario Friedmann dazu entschied, den Schritt der weiteren Professionalisierung zu wagen. Dabei konnte er sich ebenso auf sein Masterstudium in Museums- und Ausstellungswesen an der UdK stützen, das er in dieser Zeit absolvierte.

Ausstellungsansicht mit Collagen von Tilo Baumgärtel und Nadin Maria Rüfenacht in der Galerie Wendt + Friedmann, Foto: Ludger Pfaffrath
Angekommen
Räumlichkeiten fand er 2009 in der Heidestraße – ein zu diesem Zeitpunkt gefragter Standort unweit des Hamburger Bahnhofs. Die potentielle neue Heimat stieß bei ihm anfangs nur auf wenig Gegenliebe: „Das war eine Wüste: 70er Jahre Büros mit schrecklichen Tapeten und Rigips-Wänden.“ Nach dem Umbau wurden daraus einladende Galerieräume, die sich bewusst von der Sterilität eines White Cubes abgrenzen sollten.
Erste Ausstellungen, wie „On Paper“ mit u. a. Michael Dean und Gitte Schäfer zogen viel Publikum an. Auch die Integration in die Struktur der Nachbarschaftsgalerien, zu der Haunch of Venison oder Hamish Morrison gehörten, glückte. Die kaufmännische Seite der Galeriearbeit musste Andreas Wendt sich dabei regelrecht antrainieren: „Der rein künstlerische Blick auf die Dinge reicht einfach nicht.“ Inzwischen sind ihm die beiden Gesichter seiner Tätigkeit zwar vertraut, aber Berlin schafft es immer wieder, ihn zu überraschen: „Hier ist alles in Bewegung. Das macht die Stadt für mich so spannend.“
Umbrüche
Diese Dynamik hatte auch Auswirkungen auf die Heidestraße: Das Zugpferd Haunch of Venison schloss 2010 seine Dependance und löste damit eine Welle von Abwanderungen aus: „Mit so einer Entwicklung hat keiner gerechnet. Aber das ist mir immer noch lieber als die Behäbigkeit, der man hier früher ständig begegnete.“ Der Wegfall des Artforums hat die Situation weiter verändert: Wendt + Friedmann war bisher auf der Begleitmesse „Preview“ vertreten, die nun ebenfalls einer Neudefinition bedarf. Der Galerist ist skeptisch: „Vielleicht ist Berlin der beste Standort für Künstler und Galerien, aber finanziell noch nicht für Messen.“

Das Künstlerduo Secret Stars** in der Galerie Wendt + Friedmann, Foto: Kristina Schulze
Immer für die Kunst
Andreas Wendt steht trotz der veränderten Bedingungen zu seinen Prinzipien: „Mir geht es nicht um schnellen Erfolg oder um ein bestimmtes künstlerisches Medium. Bei den Künstlern, die ich ausstelle, muss ich intuitiv denken: Denen gehört die Zukunft.“ Eine langjährige Zusammenarbeit sei für ihn viel wichtiger, als „ein Wellenreiter zu sein, der die Schaumberge abschöpft.“ Eine Neuentdeckung ist etwa der französische Künstler Emmanuel Bornstein, den Wendt im September ausstellen wird.
„Denen gehört die Zukunft“ – dieses Credo gilt wohl auch für die beiden Künstlerduos aus Berlin und Leipzig, deren Arbeiten derzeit in der Galerie zu sehen sind. Während die Malereien von Secret Stars** humorvoll das eigene Genre ins Visier nehmen, erinnern die figurenreichen Collagen von Tilo Baumgärtel und Nadin Maria Rüfenacht mit ihren komplexen Assoziationsketten an dadaistische Positionen. Die Werke grenzen sich methodisch zwar voneinander ab, sind aber dennoch interessante Belege dafür, wie gut singuläre Künstlerpersönlichkeiten kooperieren können.

Secret Stars**: Der Besucher, 2012, 70 x 50 cm, Öl auf Leinwand, Courtesy Wendt+Friedmann, Berlin. Foto: Ludger Pfaffrath
Im Juni steht bei Wendt + Friedmann ein Experiment an: Das Atelier von Marc Gröszer soll in die Galerie hineingebaut und dort für zwei Wochen von dem Künstler bewohnt werden: „Marcs Arbeitsraum ist wie ein Dschungel. Berge von Zeichnungen, Skizzen und Müll – alles stapelt sich.“
Die Idee dazu kam Wendt durch die Besuche in Gröszers Atelier, dessen Innenleben ihn an eine Installation erinnerte. Authentizität, auch dem Künstler gegenüber, ist für Andreas Wendt entscheidend: „Marcs Atelier ist durch und durch er selbst. Meine Arbeit soll ja vor allem der Kunst dienen. Immer nur Bilder aufhängen – das wäre langweilig.“
Die Ausstellung mit Malereien von Secret Stars** und Collagen von Nadin Maria Rüfenacht / Tilo Baumgärtel ist noch bis zum 26. Mai in der Galerie Wendt + Friedmann zu sehen. Geöffnet ist Mittwoch bis Freitag von 12 bis 18 Uhr, Samstag von 12 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung







