
Ausschnitt "Gerhard Richter Painting" / Arbeit am grünen Bild
Der 97 minütige Dokumentarfilm „Gerhard Richter Painting“ von Corinna Belz zeigt den Maler, Fotografen und Bildhauer Gerhard Richter bei seiner täglichen Arbeit im Atelier, im Umgang mit seinen Assistenten, seiner Galeristin – und dem allgemeinen Hype um seine Person.
Gleich zu Anfang des Films erklärt Richter mit lachender Stimme, dass seine Bilder sowieso machen würden, was sie wollen. Über Malerei zu reden sei für ihn sinnlos, „weil man immer nur das in Worte fassen kann, was in Worte zu fassen geht“. Malen, so konstatiert er, sei für ihn eine andere Art zu denken, worauf er in den folgenden Einstellungen dem Zuschauer einen bisher unbekannten Einblick in den Entstehungsprozess einiger abstrakter Bilder gewährt.
Man sieht den 79jährigen immer wieder stumm auf seine großformatigen Leinwände blicken. Mit dem Pinsel in der Hand streicht er Acrylfarbe kontrolliert auf den Maluntergrund, um eine erste Komposition zu entwickeln. Dann nimmt er Abstand, lässt seinen Blick kritisch über das Bild wandern, zieht Vergleiche zu anderen Kompositionen und sucht konzentriert nach dem nächsten Schritt. In einem darauffolgenenden physischen Kraftakt sieht man den in Dresden geborenen Maler mit einem großen Rakel Farbe über die Leinwand schieben. Das Gemälde wird dabei auch vom Zufall geformt, den der Maler auf kontrollierte Weise zulässt. Seine Bilder sind Setzungen, Behauptungen, so formuliert es Richter, die nichts neben sich dulden.
Immer wieder zeigt der Film den Maler beim Nachdenken. Der Zuschauer teilt mit ihm das Suchen nach Lösungen, das Experimentieren mit Ideen, die er ununterbrochen zu verwirklichen sucht und wieder verwirft. Ein stetiges Werden kennzeichnet die abstrakten Gemälde, so lange das Bild keine weiteren Eingriffe mehr zulässt. Erst in diesem Moment ist es fertig und wird einer zeitlichen Bestandsprobe unterworfen. Besitzt das geschaffene Bild eine Qualität, welches die Zeit überdauern kann? Wie der Film an vielen Stellen zeigt, vielleicht das wichtigste Kriterium in Richters malerischen Denken.

Ausschnitt "Gerhard Richter Painting" / Arbeit am grünen Bild
Sich bei seiner „heimlichen“ Malerei zusehen zu lassen, sei für ihn schlimmer gewesen als im Krankenhaus zu liegen. „Ausgeliefert“ fühlt er sich vor der Kamera und lässt Corinna Belz dennoch sehr nahe an sich heran. Auf die direkten Fragen der Regisseurin antwortet Richter immer ohne Umwege. Er findet einfache Worte, um komplexe Zusammenhänge zu beschreiben und so einen Zugang zu seinem Umgang mit seinen abstrakten Kompositionen für den Betrachter zu ermöglichen.
Ergänzt werden seine überraschend lakonischen Äußerungen durch die wiederholten Einspielungen älterer Interviews, in denen der junge Maler radikal über seine Malerei nachdenkt. Kamerafahrten über die Modelle von 1:50 verkleinerten Ausstellungsräumen und sich darin befinden Gemälden von Richter, verschaffen einen Einblick in das bisherige Oeuvre. Auch zeigt der Film Ausschnitte einiger Eröffnungsfeiern, bei denen er jede unnötige Aufmerksamkeit zu meiden scheint.
Corinna Belzig hat ein bemerkenswertes Künstlerporträt geschaffen, welches durch seine nüchterne Art eine überrraschend emotionale Wirkung auf großer Leinwand entfaltet. Insgesamt sehr ruhig und konzentriert, lässt der Film viel Platz für das Sehen und das Zusehen zugleich. Er konzentriert sich stets spürbar auf das Wesentliche, den schöpferischen Maler und die Präsenz seiner Bilder. Von Beginn an liegt der Fokus auf dem Entstehungsprozess der Bilder, die neben dem Maler am Ende selbst zu Protagonisten des Filmes werden.

Ausschnitt "Gerhard Richter Painting" / Detail Reinigung Rakel
/Text: Maria Ebbinghaus/







