Im Bann der Bilder

Jonas Burgert: Suchtpuls, 2011, Öl auf Leinwand, 400 cm x 690 cm, Foto: Lepkowski Studios, Copyright: Jonas Burgert

Eine junge Frau steht vor einer magentaroten Wand und fixiert den Betrachter mit düsterem Blick. Ihre grün gefärbten Hände sind drohend nach vorne gestreckt, mit Farbe beschmierte Zweige umhüllen ihren Kopf. Eine an den Füßen zusammengebundene Eule hängt kopfüber von ihrem Hals herab, die ausgebreiteten Flügel hängen nach unten und ahmen dabei wie von selbst die Pose des Mädchens nach. Auf dem Boden liegen Papierschnipsel und Stofffetzen; blaue und grüne Farbkleckse sind über das ganze Bild verteilt.

Jonas Burgert: Schleiche, 2012, 300 cm x 220 cm, Foto: Lepkowski Studios, Copyright: Jonas Burgert

„Schleiche“ ist nur eines der Gemälde von Jonas Burgert (* 1969 in Berlin), die ab dem 27.April bei Blain|Southern Berlin zu sehen sind. Unter ihnen befinden sich auch die monumentalen Arbeiten „Suchtpuls“ (2011) und „Luft nach Schlag“ (2012), die als Dialog-Werke betrachtet werden können.

In dem früher entstandenen Gemälde herrscht das Chaos: Menschen, Tiere, skurrile Zwischenwesen und religiöse Symbole nehmen ihren Platz in einem urbanen Raum ein, der sich aus Betonblöcken und Treppen zusammensetzt. Einzelne Bildszenen – herabstürzende Raubvögel oder aufgebaute Scheiterhaufen – verstärken die insgesamt bedrohliche Atmosphäre der Malerei, die den Betrachter unmittelbar in ihren Bann zieht.

Der Dynamik dieses Werkes steht die nahezu gespenstische Ruhe von „Suchtpuls II“ gegenüber. Die Kreaturen des ersten Bildes scheinen soeben den Raum verlassen zu haben; Farbspritzer, Dreck und herumliegende Artefakte verweisen noch auf die vergangenen Ereignisse, die hier stattgefunden haben. Eine einzige Figur ist zurückgeblieben: Ein kleiner, in einen schwarzen Anzug gekleideter Mann, blickt mit einem skelettartigem Gesicht aus dem Bild heraus.

Jonas Burgert: Luft nach Schlag (Detail), 2012, Öl auf Leinwand, 400 cm x 690 cm, Foto: Lepkowski Studios, Copyright: Jonas Burgert

Der Intensität von Jonas Burgerts Gemälden kann man sich kaum entziehen – zu viel passiert hier gleichzeitig, zu komplex sind die Botschaften und Bezüge. Sie fangen den Betrachter ein, lassen ihn Fragen nach der eigenen Existenz stellen. Vertraute und fremdartige Motive bestehen nebeneinander und fügen sich zu energetischen Kompositionen zusammen, die sich in wenigen Worten kaum beschreiben lassen.

Die leuchtenden Farben und komplexe Dreidimensionalität von Burgerts Gemälden stehen im kontrastreichen Gegensatz zu den schlichten, hellen Ausstellungsräumen von Blain Southern. Neben den teilweise monumentalen Gemälden zeigt die Galerie auch einige Ton- und Bronzeskulpturen des Künstlers. Die Malereien und Objekte korrespondieren auf besondere Weise miteinander: Es scheint, als wären die Figuren aus den Leinwänden herausgeklettert, um sich einen Platz in unserer Mitte zu suchen.

Die Ausstellung “Gift gegen Zeit” eröffnet am 27. April um 18 Uhr und kann anschließend noch bis zum 7. Juli. bei Blain|Southern besucht werden.

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