
Edward Burtynsky: Shipbreaking #13. Chittagong, Bangladesh. 2000 © Edward Burtynsky. Courtesy Nicholas Metivier, Toronto. Stefan Röpke, Köln
Die Arbeiten von Edward Burtynsky, die bis zum 9. September im c/o Berlin zu sehen sind, waren zunächst als Hommage an die Fähigkeit des Menschen gedacht, sich die Natur zu eigen zu machen, insbesondere im Hinblick auf den nach wie vor unverzichtbaren Rohstoff Öl. Doch je länger sich der Künstler mit dem Thema auseinandersetzte, desto mehr schlug die Faszination in Erfurcht vor dem Ausmaß der menschlichen Möglichkeiten um.
Die großformatigen, meist im Querformat präsentierten Fotografien erinnern in ihrer Monumentalität an Andreas Gursky. Der Betrachter begegnet den rund 30 Werken aus einer übergeordneten Perspektive, aus der er auf seine eigene Welt blickt. Im Gegensatz zu Gursky jedoch geht es Burtynsky nicht um die Beziehung des Menschen zu seiner Umgebung. Personen sind, bis auf vereinzelte Ölarbeiter am Rande des Bildes, kaum dargestellt. Diese sogenannten „dernier moments“ – vergangene Momente – erwecken Szenerien moderner Historienbilder: Sie stellen die vorhergegangene Anwesenheit des Menschen und den von ihm geschaffenen urbanen und industriellen Lebensraum mit all seinen Zusammenhängen dar. Der Betrachter rekonstruiert den Kreislauf einer Welt, die vom Öl regiert wird.

Edward Burtynsky: Highway #1. Intersection 105 & 110. Los Angeles, California USA. 2003 © Edward Burtynsky. Courtesy Nicholas Metivier, Toronto. Stefan Röpke, Köln
Die Werkschau ist in vier kausal miteinander verbundene Kapitel unterteilt: „Extraction & Refinement“, „Transportation & Motor Culture“, „The End of Oil“ und „Oil Spills“. Der thematische Zyklus wird zum Passionsweg. Von der Ölförderung über seine globale Verwendung bis zu den Konsequenzen von Umweltverschmutzung und -schädigung. Mit „Oil Spills“ fügte Burtynsky einen aktuellen Aspekt hinzu: die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko 2010.
Die Fotografien des gigantischen Ölkreislaufs richten sich natürlich auch gegen den Betrachter, seine Abhängigkeit vom Rohstoff und die nahezu fanatische Liebe zum Auto. Burtynskys Arbeiten finden für das Sujet eine prägnante, klare Ästhetik. Die moralisierenden Werke assoziieren die Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts, wodurch ein bemerkenswerter Widerspruch zwischen dem Sujet und der Darstellungsform entsteht.
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