
Foto: Isabella Hammer, 2012
Nach meinem Urlaub wurde ich von ungewöhnlich bunt gestalteten Auslagen in den Schaufenstern des Louis-Vuitton-Stores am Kurfürstendamm überrascht. Überall fanden sich Punkte, Netze, organische Formen und ein Teppich an blühenden Augen. Ich fühlte mich an 2006 erinnert, als ebendiese Muster einen Raum in der Neuen Nationalgalerie besetzt hielten.
In der damaligen Ausstellung Berlin-Tokyo/Tokyo-Berlin fand sich ein ebenso gestalteter Raum. Zwei organische runde Formen mit weißen Punkten auf rotem Grund in der Mitte des Raumes reflektierten sich durch die verspiegelten Wände unendlich, der dunkle Raum wurde zur raumgreifenden Installation.
Beide Bilderwelten stammen von der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama. Die Vitrinen vor dem Louis-Vuitton-Store und zwei der Schaufenster werden von Formen bevölkert, die sich wie Zungen einander entgegenschlängeln. „Beginning of the Universe“ nennt sie die Künstlerin. In einem der Schaufenster sieht man die Arbeit „Eternal Blooming Flowers In My Mind“. Große Blüten, jede einzelne mittig mit einem Auge ausgestattet, die dem neugierigen Betrachtern entgegenblicken.
Parallel zu Kusamas aktuell laufender Retrospektive im Whitney Museum of American Art in New York präsentiert Louis Vuitton rund um den Globus in seinen Schaufenstern die Bilderwelten der Japanerin.
Yayoi Kusamas Werk ist bestimmt vom Ornament, von Netzen und Punkten. Sie sei ein Punkt von vielen, sagte sie einmal über sich. Seit ihrer Kindheit hatte Kusama Halluzinationen, die die Basis für die Entwicklung ihrer Skulpturen und Rauminstallationen bilden.

Foto: Isabella Hammer, 2012
„Ich sah auf das rote Muster der Tischdecke, als ich aufblickte, bedeckte dasselbe rote Muster die Decke, die Fenster und die Wände, und schließlich den ganzen Raum, meinen Körper und das Universum. Ich begann mich selbst aufzulösen, und fand mich in der Unbegrenztheit von nicht endender Zeit und in der Absolutheit der Fläche wieder. Ich reduzierte mich auf ein absolutes Nichts.“
Nach einem Studium in Kyoto und Ausstellungen in Japan ging Kusama 1957 nach New York, wo sie bis 1973 lebte. In Happenings und Performances war ihr Körper ein ums andere Mal Zentrum ihrer Arbeit. Als sie 1973 nach Japan zurückkehrte, begannen sich ihre Arbeiten mit dem Raum auszudehnen. Mittlerweile ist dies Zentrum ihres Werks geworden: Unendliche Ornamentnetze und Punkte überziehen Räume, Objekte, Tücher und Kleider. Die Kooperation mit dem französischen Modehaus kommt nicht von ungefähr. Neben den ungewöhnlichen Schaufenstern entstand eine Kollektion und die Idee mehrerer Pop-Up- Stores weltweit. Leider keiner in Berlin.
Bis September sind Kusamas bildgewaltige Installationen zu sehen:
Louis Vuitton Ladengeschäft, Kurfürstendamm 56-57, 10707 Berlin







