Leipzig im Blick der Fotografie

Roger Rössing, Westvorstadt, Trümmerbahn mit Werbeschild für das IV. Parlament der FDJ, 1950, Barytabzug Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

Die Stadt Leipzig beleuchtet ihre fotografische Vergangenheit. Drei Museen teilen sich bis zum 15.Mai die Aufgabe unter dem Motto “Leipzig. Fotografie seit 1839″ Ausstellungen zu präsentieren, die sich dem Thema widmen und einen umfangreichen Überblick liefern. Je nach Belieben kann der Besucher individuelle Schwerpunkte setzen oder sich in mehreren Schritten dem gesamten Ausstellungsprojekt nähern.

Wer sich für die Anfänge der Fotografie in Leipzig interessiert, sollte das Grassi Museum für angewandte Kunst besuchen. Ausgestellt werden lokale Daguerreotypisten wie Bertha und Eduard Wehnert, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Portraits der Leipziger Stadtbewohner anfertigten. Aufnahmen heute nicht mehr bekannter Stadtfotografen komplettieren diese Auswahl. Die Ausstellung reflektiert ebenso die technischen Innovationen des 19. Jahrhunderts und skizziert den Wandel vom Unikatverfahren der Daguerreotypie zum Papierabzug und der damit einhergehenden Reproduzierbarkeit des Mediums.

2. Weltkrieg und Wiederaufbau

Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig beleuchtet die Zeit nach dem ersten Weltkrieg bis zum Mauerbau 1961. Georg Zschäpitz´s seltene Aufnahmen aus der Zeit des Nationalsozialismus stehen hier im Kontrast mit den Kriegsbildern von Robert Capa und der Trümmerfotografie Johannes Widmanns. Die Zusammenstellung wirft somit einen Blick auf die historischen Ereignisse, die sich in ganz Deutschland abspielten und exemplarisch am Beispiel der Stadt Leipzig abzulesen sind.

Einen starken Lokalbezug eröffnet die sogenannte „action fotografie“ – eine Vereinigung junger Absolventen der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, die von 1956 an temporär wirkten und neue Impulse setzten, die die Fotografie der DDR nachhaltig beeinflussen sollten. Neben der ausschließlichen Verwendung von Schwarz/Weiß-Filmen ist das Werk der Gruppe durch die Suche nach authentischen Bildausschnitten geprägt und steht damit im Kontakt zu damals aktuellen künstlerischen Strömungen.

Leipziger Gegenwartsfotografie im Museum der Bildenden Künste

Nicht weniger interessant ist die Ausstellung, die im Museum der Bildenden Künste präsentiert wird. Sie entwirft mit den Fotografien von Künstlern wie Evelyn Richter und Arno Fischer ein dokumentarisches Psychogramm der ehemaligen DDR. Diese Bilder ehemaliger Studenten und Dozenten der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig stehen in einem Spannungsverhältnis mit den Aufnahmen Peter Piller´s und anderer aktueller Professoren, die den Wandel und die Neuaufstellung der Institution nach der politischen Wende aufzeigen. Daneben sind einige Werke junger Fotografen wie Hans-Christian Schink oder Tobias Zielony zu sehen, die in jüngerer Zeit ihre Ausbildung oder zumindest einen Teil davon, in Leipzig absolviert haben.

Die Ausstellungen können noch bis zum 15.Mai 2011 besucht werden und sind durch ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Führungen, Vorträgen und Workshops begleitet. Informationen hierzu sind auf den jeweiligen Seiten der Museen oder Online unter www.leipzig-fotografie.com abrufbar.

/André Schmidt/

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