Parallelwelt Zirkus

Daniel Firman, Nasutamanus, 2012 Courtesy Galerie Perrotin, Paris © Daniel Firman, Foto/Photo: Guillaume Ziccarelli

Tanzende Affen und Pferde, jonglierende Clowns, todesmutige Seiltänzer: Schon immer war der Zirkus der radikale Gegenentwurf zu den Konventionen der Gesellschaft. Doch auch die “Parallelwelt Zirkus” existiert im Alltag, zeigt die gleichnamige Ausstellung, die noch bis zum 2. September in der Kunsthalle Wien zu sehen ist.

So magisch und verwunschen die Vorführungen in einem Zirkus auch wirken mögen, so bodenständig ist die Realität. Auch hier herrschen Hierarchien und Strukturen vor, gibt es eine Bindung an die Außenwelt. Inwieweit Künstler den Zirkus auch außerhalb der Manege thematisieren, versucht die Wiener Ausstellung zu ergründen.

Rona Yefman, Girl on Her Elephant (Detail), 2002 © Rona Yefman, Courtesy Rona Yefman und/and Sommer Contemporary Art, Tel-Aviv

Alexander Calder darf an dieser Stelle natürlich nicht fehlen, seine Auseinandersetzung mit dem Zirkus wird mittels eines Films von Carlos Vilardebo dokumentiert. In den Arbeiten des in dänischen Künstlers Jeppe Hein taucht das Motiv ebenfalls häufiger auf – in Wien ist er mit der Installation “Light Pavillon” vertreten, einem Zirkuszelt, welches die Besucher gemeinsam auf- und abspannen können. Den größten Blickfang bildet sicherlich der lebensecht wirkende Elefant von Daniel Firman, der mit dem Rüssel in der Wand steckt und zu schweben scheint.

Neben Skulpturen und Installationen sind auch Filme Teil der Ausstellung, darunter “The Circus” von Charlie Chaplin oder Ulrike Ottingers Episodenfilm “Freak Orlando” zu sehen, die sich aller Klischees des Zirkus bedienen. Rona Yefman widerum widmet sich der Figur des Clowns bzw. “dummen August”, die sie in ihren Fotografien in eine surreale Umgebung versetzt. Die lebensgroße Clownfigur von Ugo Rondinon widerum spielt mit dem Klischee des Clowns als Angstfigur.

“Parallelwelt Zirkus” ist bis zum 2. September in der Kunsthalle Wien zu sehen. Geöffnet ist täglich von 10 bis 19 Uhr sowie Donnerstag von 10 bis 21 Uhr.

Dieser Beitrag wurde unter Ausstellungen abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Parallelwelt Zirkus

  1. Schöner Hinweis und sehenswerte Schau. Aber auch in Deutschland gibt es eine beachtenswerte Ausstellung zu dem Thema: In der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen läuft auch noch bis 8. Juli die Ausstellung “Hereinspaziert! Zirkus und Jahrmarkt von Macke bis Matisse”, in der Werke vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1960er Jahre zu sehen sind – quasi als “Vorspann” der Wiener Schau. Wir beleuchten – ausgehend von Plakaten aus der Druckerei Adolph Friedländer – die Faszination vor über hundert Jahren, als der Zirkus sich als festes Unterhaltungsprogramm neben Varieté und Theatern etablierte. Werke von Toulouse-Lautrec und Picasso machen den Auftakt, gefolgt von den Deutschen Expressionisten – Macke, Kirchner, Heckel, Pechstein – über Beckmann und Felixmüller bis zu Dix und Rouault. Die Zeit nach 1945 veranschaulichen Calder (siehe Wien), Matisse, Léger, Chagall etc. Spannend st vor allem der Blick vieler Künstler hinter die Kulissen und die Identifizierung mit den Gauklern, die ebenso ein unbürgerliches Leben führen wie die bildenden Künstler. Hereinspaziert nach Schwaben!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>