Paul Klee auf Zauberpilzen

John Lurie, Bones Are on the Outside

Anlässlich seiner Ausstellung in der Galerie Martin Mertens in Berlin sprachen wir mit dem amerikanischen Künstler John Lurie über seine Arbeitstechnik und seine Inspiration

Hallo John, danke dass Sie zum Interview zugesagt haben!
Ich würde gern anfangen mit ein paar Fragen zur Berliner Ausstellung:
Ausgestellt sind großformatige Drucke und einige kleinere Originale. Arbeiten Sie normalerweise in eher kleinen Formaten?
Es kommt darauf an, wo ich bin und wie ich mich einrichten kann. In letzter Zeit habe ich größtenteils auf Papier gearbeitet, 1 x1,20 m war das größte Format. Ich habe auch ein größeres clayboard da, welches ich hoffentlich in den nächsten paar Tagen fertig kriege.

Was für eine Technik bevorzugen Sie? Die Arbeiten in Berlin sehen nach einer Mischtechnik von Aquarell, Öl und mehr aus?
Ich arbeite auf Papier mit Aquarell, manchmal mit Tinte. Manchmal benutze ich auch Ölpastell für diese Arbeiten. Auch benutze ich clayboards, und nun befürchte ich, werden Sie fragen, was das ist – ich weiß es nicht. Ich kaufte die ersten vor ein paar Jahren bei einem Künstlerbedarf und sie gefielen mir, also hab ich damit weitergemacht. Und Öl auf Leinwand. Doch dafür bin ich im Moment nicht eingerichtet, ich wünschte ich wär’s.

Mein Favorit der Berliner Ausstellung ist “Deer and Stoplight”. Es zeigt ein Muster von überlappenden Aquarellfeldern mit asiatisch anmutenden Schriftzeichen. Dann den Hirsch in der rechten unteren Ecke, der irgendwie fasziniert, frustriert auf die rote Ampel oben rechts blickt. Steht diese Bild für einen spezifischen Moment in Ihrem Leben, als Sie sich paralysiert durch besondere Umstände fühlten?
Nein, das hat nichts mit Paralysiertheit zu tun. Es geht nur um die Farbe. Ich malte das und es schien nicht vollständig – es brauchte etwas in der Ecke oben mit einem Fünkchen Farbe. Hat mehr mit der verrückten Idee zu tun, ein Hirsch könnte im Wald vor einer roten Ampel halten und warten, dass es grün wird.

Können Sie sich hinsetzen und loslegen, wann immer Sie wollen, oder brauchen Sie Vorbereitungszeit um über Inhalt, Struktur und Form nachzudenken? Was ist der trigger, um eine Arbeit zu beginnen?
Ja, ich kann malen wann immer ich will, denn der trigger für ein Bild ist Farbe. Ich habe eine Idee von einer Farbzusammenstellung und lege los.

Wo sehen Sie die hauptsächliche Inspiration für sich im Moment? Und malen Sie manchmal zu Musik?
Nein, ich habe fortgeschrittene Borreliose was mich daran hindert, noch in irgendeiner Form Musik zu machen. Ich konnte auch lange Zeit nicht Musik hören, wegen des neurologischen Effekts. Das ist allerdings mittlerweile besser geworden.

Wo Inspiration herkommt? Ich halte das für eine seltsame Frage.

John Lurie / Foto: Seiichi

Ich meinte damit, gibt es im Moment irgendwelche Künstler, die Sie besonders inspirieren? Sie haben mal in einem Interview Paul Klee erwähnt.
Es geht bei mir nicht auf diese Art. Als ich 11 war, kaufte ich meiner Mutter einen kleinen Druck eines Paul Klee Gemäldes. Sie sagte – Oh, das ist Paul Klee, Du hast einen guten Geschmack. Also hat sich das festgesetzt bei mir. Dann, Jahre später, eigentlich nicht so viel später, ich war 17, seltsam wie das Zeitempfinden anders ist wenn man jung ist, egal, habe ich Steve Piccolo im Bard College besucht und da war ein Klee an der Wand in seinem Zimmer. Ich hab ihn nicht „gesehen“. Dann gingen wir raus und haben Zauberpilze konsumiert und waren fasziniert davon, wie rot die Äpfel waren. Als wir ins Zimmer zurückkamen, schaute ich auf den Klee und sagte: Oh! Jetzt kann ich’s sehen. Doch es ist bei mir nicht so. Dass ich ein anderes Bild anschaue, um eine Idee zu bekommen.

Jedenfalls ist das mit Paul Klee etwas, was ich studierte, als ich noch ganz jung war. Also war es tief in mir drin. Dann kommt es manchmal hoch, wenn ich arbeite.
Doch ich sehe den kreativen Prozess als etwas, das von tief drinnen kommt und nicht von außen. Manchmal sind die besten Dinge schon da, in der Luft, und wenn Deine Antennen aufgestellt sind, kannst Du sie einfach aus dem Himmel nehmen.

Die Verbindung der inneren Welt zur “Ursuppe” wie wir im Deutschen sagen?
Genau.

Das MoMA hat einige Ihrer Arbeiten erstanden. Ist das zeitgleich mit der Ausstellung im PS1 gewesen? Wie denken Sie über die Auswahl, die getroffen wurde?
Nein, das war ein paar Jahre vor der Ausstellung. Und es waren eventuell nicht gerade meine besten Werke.

Sie kannten Künstler wie Jean Michel Basquiat und haben Warhol und seinesgleichen getroffen. Was ist Ihrer Meinung der größte Unterschied zwischen der damaligen und der heutigen Kunstszene?
Ich verstehe die heutige Kunstszene überhaupt nicht. Ich muss da irgendwas missverstehen. Doch für mich scheint die Grundidee zu sein:
Dieses oder jenes Stück Fahrstuhlmusik ist irgendwie wichtig, da es einen geistreichen Bezug zu einem anderen Stück Fahrstuhlmusik herstellt.

Sie sagen dass Sie zur Zeit an einem clayboard arbeiten. In einem anderen Interview habe ich ein Bild gesehen, welches wie eine Skulptur wirkt, mit einem wie gerahmt aussehendem Fischskelett?
Ah – ja, das heisst “Bones are on the Outside”. Und ja – das ist clayboard. Das war sozusagen ein glücklicher Zufall. Ich war frustriert mit dem Bild und schüttete einen Eimer Wasser drüber und das hatte einen ziemlich tollen Effekt. Vielleicht sollte ich über alle Wasser drüber schütten.

Interview und Übersetzung: Cornelia Brelowski

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