KM 0705 – Am Anfang…

…stand die Frage woher eigentlich der Begriff Kunsthalle kommt. Es waren die Kunstvereine die den Begriff definierten. Wir stellen Ihnen die Arbeit Berliner Kunstvereine vor, die schon jetzt darauf warten, was einer möglichen Kunsthalle in Berlin schon vor deren Existenz sicher ist: Ihr Besuch!

Kunst zu zeigen und dabei auf die Interessen des Marktes zu pfeifen ist ein Luxus der meist nur Institutionen möglich ist. Eine staatlich geförderte Institution ist die IFA Galerie, die den internationalen Austausch von Kunst als einen Beitrag zur künstlerischen Völkerverständigung zum Auftrag hat.

Die Kunst die sich Volksvertreter aussuchen, schafft es bis in die Sammlung des deutschen Bundestages. Monumentaler kann Kunst nicht institutionalisiert werden, es sei denn man bekommt ein eigenes Museum, wie Hermann Nitsch. Bis zur Krönung eines Lebenswerkes ist es ein weiter Weg, auf dem alle Künstler selber gehen müssen um die eigene künstlerische Position zu finden und weiter zu entwickeln. Dies braucht Zeit, Raum, Vertrauen in das eigene Können und die Standhaftigkeit sich nicht von aktuellen Moden beeinflussen zu lassen. Wenn Arbeiter bestimmen was die Direktoren zu tun haben, klingt das nach Kommunismus und unendlichen Plenumssitzungen. Gehen Sie mit uns auf Spurensuche nach den ersten Berliner Produzentengalerien.

Viel Spaß dabei!

Ihr KUNST Magazin Berlin Team

 

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Am Ende…


Filmstill aus ‚Beatbox Colombia‘ von Dirk Lienig

Filmstill aus ‚Beatbox Colombia‘ von Dirk Lienig

Courtesy: Doku Arts / Akademie der Künste


Teilnahmeaufruf Doku Arts2.
Internationales Festival für Filme zur Kunst

Ins Leben gerufen von der Akademie der Künste ist das neue Berliner Filmfestival 2006 vielgelobt gestartet und geht im September 2007 dynamisch in die 2. Runde. Im Zentrum stehen erneut Dokumentarfilme und Mischformen von Fiktion und Dokumentation, die sich um alle Bereiche künstlerischen Schaffens drehen: Musik, Literatur, Theater, Tanz, Kino, Fotografie, Architektur, und Bildende Kunst. Die Teilnahmebedingungen stehen im Internet zum Download bereit.

Bewerbung bis 1.6.2007
Festival: 19.– 23.9. in Berlin
www.doku-arts.de

 

Teilnahmeaufruf Avantgarde Dating
Ein experimenteller Dating Service für KünstlerInnen

Künstler aus aller Welt sind eingeladen, vorherrschende Konventionen von Liebe und Partnerschaft in Frage zu stellen. Die Künstler/Kuratoren werden in Zusammenarbeit mit Wooloo Productions die teilnehmenden Künstler aufeinander abstimmen.
Drei herausragende Paare werden mit einer einwöchigen Ausstellung in Berlin prämiert, um das Konzept der menschlichen Partnerschaft live erlebbar zu analysieren, denn – während ihres Aufenthalts in Berlin, wird das jeweilige Paar im Ausstellungsraum zusammen leben.

Bewerbung bis 15.7.
Persönliche Beratung/Anmeldung: Di–Sa 12–18h
Wooloo Productions, Choriner Str. 85, 10119 Berlin-Mitte
www.AvantgardeDating.com, www.wooloo.org

 

Das eigene Museum
Zurück auf die Schulbank mit Hermann Nitsch

„Meine Arbeit soll eine Schule des Lebens, der Wahr-nehmung und der Empfindung sein.“ Im österreichischen Mistelbach (Weinviertel) eröffnet Ende Mai das Hermann Nitsch Museum eine Ausstellungsfläche von 2.600 Quadratmetern. In einem Hallenkomplex mit einer Gesamtlänge von 61 Metern, wird das umfassende Werk des österreichischen Künstlers erforscht, dokumentiert und zu sehen sein.

Eröffnung: 24.5., Di–So, 10–18h
Museumszentrum MistelbachWaldstr. 44-46, A – 2130 Mistelbach
www.hermann-nitsch-museum.at

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Im- und Export in der ifa-Galerie


PARK June Bum: Puzzle, 2005. Courtesy: Doart Gallery, Seoul.

PARK June Bum: Puzzle, 2005. Courtesy: Doart Gallery, Seoul.

Text: Franka Nagel

Französische Kunstschätze in Dubai, schweizerische Messen in Miami, chinesische Videokunst in Berlin: Beweist eine solche Internationalität nicht, dass die Sprache der Kunst universell ist und keine Ländergrenzen kennt? Kunst überwindet Sprachbarrieren und Kulturschranken mit einem Pinselstrich, ermöglicht Dialog zwischen Kulturen jenseits von Berührungsängsten und Verständigungsproblemen.

Das jedenfalls hoffen Einrichtungen wie das Geothe-Institut, die im Auftrag des Auswärtigen Amtes zur Völkerverständigung beitragen sollen – mit Hilfe des Im- und Exports von Kunstwerken.

Seit der Gründung der Bundesrepublik zählt die Förderung des Kunst- und Kulturaustauschs zwischen Deutschland und anderen Staaten zu den Säulen deutscher Außenpolitik. Die Idee, Auslandbeziehungen durch gezielte Kulturpolitik zu verbessern, reicht bis in die Weimarer Republik zurück. Bereits 1917 gründete das württembergische Kultusministerium in Stuttgart das ‚Museum und Institut zur Kunde des Auslanddeutschtums und zur Förderung deutscher Interessen im Ausland‘. Ziel war es, das durch den Krieg stark mitgenommene Ansehen Deutschlands im Ausland wiederherzustellen. Aus dieser Institution ging nach dem zweiten Weltkrieg das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) hervor.

Wie das Goethe-Institut soll das ifa die kulturellen Verbindungen zwischen Deutschland und anderen Ländern stärken. Unter Anderem organisiert und fördert es Ausstellungen von Werken deutscher Künstler im Ausland. Die ifa-Galerien in Deutschland wiederum stellen Kunst, Architektur und Design dieser Länder vor. Finanziert wird das ifa vom Auswärtigen Amt, dem Land Baden-Württemberg und der Landeshauptstadt Stuttgart. Hier befindet sich auch der Hauptsitz des Instituts. Seit der Wende existiert mit der ifa-Galerie Berlin eine Niederlassung in der Hauptstadt.

Mit ihrem Standort in der Linienstraße, einem der ´Hotspots ´ der Berliner Galerienszene, in unmittelbarer Nachbarschaft zu den ´Kunstwerken´, dem C|OBerlin und Galerien wie Eigent+Art zeigt die ifa-Galerie, in welcher Liga sie spielen will. Die alle zwei Monate wechselnden Ausstellungen zeigen vornehmlich Kunst aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Die Galerien in Stuttgart und Berlin organisieren die Ausstellungen abwechselnd – gemeinsam mit einer KuratorIn aus dem jeweiligen Land. Sie werden dann hintereinander in beiden Städten, Stuttgart und Berlin, gezeigt. Schwerpunktthemen im letzten Jahr waren der islamische Kulturkreis sowie die Reihe StadtanSichten, die Kunst aus Megacities der zweiten und dritten Welt zeigt.

Die laufende Ausstellung „Seoul: Räume, Menschen“ gehört ebenfalls zur Reihe StadtanSichten und thematisiert Leben und Kunstschaffen in der südkoreanischen Hauptstadt. Unter Anderem sind Zeichnungen des 2004 verstorbenen Wegbereiters der zeitgenössischen koreanischen Kunst Yiso Bahc und Foto- und Videoarbeiten von Haegue Yang zu sehen. Die Ausstellung ist spannend und bietet mit der Darstellung von elf Positionen koreanischer Künstler oder -gruppen einen beachtlichen Überblick. Dass sie etwas gedrängt wirkt, hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass die Stuttgarter Galerie, die die Schau organisierte, um einiges größer ist als die Galerie in Berlin.

 

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Was hat Regieren mit Kunst zu tun? Kunst im Deutschen Bundestag


Lars Peter: Petersberg, Marmorsaal, © Lars Peter

Lars Peter: Petersberg, Marmorsaal, © Lars Peter

Text: Susana Sáez

Als 1889 das Pariser Volk Versailles stürmte, ging es nicht nur um die Abschaffung der Herrschaft des Absolutismus, der Kirche und der privilegierten Stände. Die Französische Revolution verbannte die Kunst aus den Herrscherhäusern und Kirchen und nahm ihr damit ihre Hauptmäzene. Hätte es den Aufstand nicht gegeben, wären Museen vielleicht erst sehr viel später in Mode gekommen, und nicht schon im frühen 19. Jahrhundert, als das Gedankengut von Aufklärung und Humanismus Staatsträger dazu bewog, Kunstwerke zur Bildung des Volkes in Museen zu verlagern.

Besucht man heute die Parlamentsbauten am Spreebogen, wird man immer wieder mit zeitgenössischer Kunst konfrontiert. In der westlichen Eingangshalle des Reichstagsgebäudes hängen sechs große, in den Farben der deutschen Flagge leuchtende Tafeln von Gerhard Richter, gegenüber von bunten Leuchtkästen mit Bildzitaten aus Politik und Geschichte von Sigmar Polke. Im Südeingang greift Baselitz auf großformatigen Leinwänden auf Motive von Caspar David Friedrich zurück, während Jenny Holzer auf der Nordseite Leuchtschriftbänder mit Reden von Reichtstags- und Bundestagsabgeordnenten von 1871 bis heute über eine Stele laufen lässt. Die Liste der Parlamentskünstler ist lang und hochkarätig und versammelt u. a. Joseph Beuys, Christian Boltanski, Angela Bulloch, Lutz Dammbeck, Hans Haacke, Jörg Herold, Markus Lüpertz, Jorge Pardo, Neo Rauch und Katharina Sieverding, um nur einige zu nennen. Besonders beeindruckend ist das „Archiv des Deutschen Abgeordneten“, das der französische Künstler Christian Boltanski für das Untergeschoss des Osteingangs entworfen hat. Auf insgesamt 4781 Metallkästen hat er die Namen aller deutschen Abgeordneten, die seit 1919 demokratisch gewählt wurden, festgehalten. Die Metallkästen sind in zwei Reihen penibel ordentlich übereinandergestapelt und lassen in ihrer Mitte einen schmalen Gang entstehen, der nur von einigen Kohlefadenlampen erhellt wird.

Alljährlich stehen dem Bundestag 175.000 Euro für den Erwerb von zeitgenössischer Kunst zur Verfügung. Ein Kunstbeirat aus neun Abgeordneten aller Fraktionen unter Vorsitz des Bundestagspräsidenten entscheidet darüber, welche Werke angekauft werden. Der Kurator der Sammlung, Dr. Andreas Kaernbach, kann zwar Vorschläge formulieren, entscheidend ist seine Stimme allerdings nicht.

Ein politischer Bürger könnte fragen, inwiefern Politik in Zeiten notwendiger Sparmaßnahmen der zeitgenössischen Kunst bedarf. Sollte das Geld, das der Bundestag alljährlich für die Erweiterung seiner Sammlung ausgibt, nicht lieber für Kitaplätze eingesetzt werden oder in die Rentenkassen fließen?

Die Förderung von Kultur und Kunst gehört heute zum Selbstverständnis deutscher Politik. Die Barbarei, die das nationalsozialistische Regime in den Künsten und allgemein im deutschen geistigen Gut verrichtete, führte dazu, dass bereits 1950 der Bundestag in seiner ersten Legislaturperiode beschloss, bei allen Bauaufträgen des Bundes mindestens 1 Prozent der Bausumme für die Kunst anzuwenden. Diese Regelung sollte dazu beitragen, das durch die Nationalsozialisten zur Verödung gebrachte Kulturleben mit neuen Impulsen zu beleben. So wurden zunächst vor allem Werke angekauft, die im Dritten Reich als entartet verfemt wurden. Nach der Wende ging es vor allem darum, dem wiedervereinigten Deutschland ein politisches Zentrum zu geben. Für die Reichstagseröffnung 1999 wählte man 19 lebende Künstler, deren Werke sich mit dem Bau und dem Inhalt des Reichstags auseinandersetzten und die sich – so der Beirat – als Bekenntnis der deutschen Politik zur zeitgenössischen Kunst eigneten. Durch Ankäufe und Leihgaben fortdauernd ergänzt, bekommt das Gesicht der Sammlung immer wieder neue Facetten und nimmt Stellung zu einer sich wandelnden Politik und Gesellschaft.
Auch die Kunst wurde von der Französischen Revolution ihrer Privilegien entmachtet. Einer ihrer traditionellen Mäzene ist ihr in Deutschland dennoch geblieben. Ihre Sammlung erstreckt sich über Reichstag, Paul-Löbe-, Maria-Elisabeth-Lüders- und Jacob-Kaiser-Haus und ist mehr als ein Besuch wert.

Der Besucherdienst bietet regelmäßig Kunst- und Architekturführungen durch das Reichstagsgebäude und die anderen Parlamentsbauten an. Für die Führungen muss man sich schriftlich anmelden, kann dieses aber auch per E-Mail erledigen: besucherdienst@bundestag.de.

Nach mehrmonatigen Bauarbeiten wird Ende Mai die nächste aktuelle Ausstellung im Kunst-Raum im Deutschen Bundestag eröffnet:

Räume der Politik – Bonn / Berlin

Die Fotografien von Oliver Heissner und Lars Peter zeigen die leeren Räume der Politik in Bonn. Die Zeichnungen von Matthias Beckmann reflektieren das zeitgenössische Geschehen im Berliner Reichstagsgebäude.

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Kippenbergers Kinder?


v.l.n.r.: Hintere Reihe: Arnulf Sprengler, Karl Horst Höicke, Lambert Maria Wintersberger, Markus Lüpertz, Dieter Opper. Vordere Reihe: Hans-Jürgen Diehl, Peter Sorge, Ulrich Baehr, Reinhard Lange.

v.l.n.r.: Hintere Reihe: Arnulf Sprengler, Karl Horst Höicke, Lambert Maria Wintersberger, Markus Lüpertz, Dieter Opper. Vordere Reihe: Hans-Jürgen Diehl, Peter Sorge, Ulrich Baehr, Reinhard Lange.

Bild aus dem Kapitel „Die ersten fünf Wochen Arbeit“ von Franz Rudolf Knubel in ‚Stationen der Moderne – Die bedeutenden Kunstausstellungen des 20. Jahrhunderts in Deutschland‘ im Ausstellungskatalog der Berlinischen Galerie zur Ausstellung vom 25.9.-8.1.

Text: Katerina Valdivia Bruch

Die Produzentengalerie erscheint in den Medien als ein Phänomen der neuen hippen Berliner Mitte, in der Sammler auf Jagd nach der Kunst von morgen gehen. In den 1960ern waren Produzentengalerien revolutionäre Formen der Kunstvermittlung.

Die Gründung einer Produzentengalerie beruht entweder auf politisch-ideologischen oder auf rein praktischen bzw. ökonomischen Beweggründen. Die Künstler warten nicht mehr auf die „Entdeckung“ durch einen Galeristen, sondern stellen einen Galeristen ein. Andere Künstler gründen eine Produzentengalerie als Projektraum, um Ihre Interessen uneingeschränkt gestalten können.

Ein Meister der Selbstvermarktung war Martin Kippenberger. Seine Aktionen im SO 36, wo er Konzerte und Ausstellungen veranstaltete, die Punkband „Die Grugas“ gründete waren Anschläge gegen eine elitäre Kunstbetrachtung und damit eine konsequente Demontage des traditionellen Kunstbegriffs. In der 1971 von Dieter Hacker gegründeten „7. Produzentengalerie“, galt die Vermittlung der eigenen Arbeit als ein Teil der Arbeit selbst.

Bereits 1964 eröffnete die Galerie Großgörschen 35. Die Gründer waren Berliner Realisten, die sich mit den derzeitigen politischen Ereignissen auseinandergesetzt haben und von den Dresdner und Berliner Veristen der 1920er Jahre beeinflusst waren. Ulrich Baehr, Werner Berges, Hans Jürgen Diehl, Wolfgang Petrick, Peter Sorge und Lambert Maria Wintersberger gehörten zu dieser Gruppe. Diese Selbsthilfe Galerie hat Künstlern einen Einstieg in den Kunstmarkt verschafft. Was heutzutage in Berlin passiert ist also gar nichts neues, sondern eine Folge dieses Konzeptes.

Die Galerien Invaliden1 und Montanaberlin liegen in der Tradition der ursprünglichen Produzentengalerien. Bei Invaliden1 läuft die Organisation nach demokratischen Ansätzen. Sie treffen sich und entscheiden innerhalb der Gruppe wer was zeigen wird oder welcher Künstler eingeladen werden sollen. Es ist mehr eine Gruppe von Freunden, die internationale Kunst präsentieren wollen.

Bei Montanaberlin handelt es sich um eine sehr stark konzeptuell geprägte Produzentengalerie. Die fünf Gründungsmitglieder der Galerie werden schon von anderen Galerien vetreten. Sie nutzen den Projektraum für ihre eigenen Ideen. Sie bestimmen sich nicht als eine Gruppe, sondern arbeiten relativ selbständig, obwohl sie auch gerne einige Ausstellungen zusammen gestalten. Esther Horn, Mitbegründerin der Galerie, beschreibt Montanaberlin als den Ort wo sie Aspekte der Kunst und interessante Zusammenhänge von künstlerischen Positionen zeigen und dabei ihren eigenen Kunstbegriff erweitern. Die Galerie hat als Prinzip das Zeigen und sie wollen nicht kommerziell arbeiten.

Künstler, die einen kommerziellen Erfolg anstreben, stellen einen Galeristen ein, der die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit übernimmt, die Künstler repräsentiert und der die Aufgabe hat diese innerhalb von zwei Jahren im Markt zu positionieren, was oftmals heisst von einer anderen Galerie vertreten zu werden.

Herzlichen Dank an Julia Schneider für die zu Verfügungsstellung ihrer Magisterarbeit im Fach Kunstgeschichte an der Humboldt Universität zu Berlin (bei Prof. Dr. Michael Diers), vorgelegt im März 2007.

 

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Eingetragen und außen vor? Die Berliner Kunstvereine Oder: Viele kleine Kunsthallen…


Auf dem Bahnsteig der Linie U2, Alexanderplatz Berlin. „Marc Brandenburg – Underground“. Foto: artnet / Christoph Bannat

Auf dem Bahnsteig der Linie U2, Alexanderplatz Berlin. „Marc Brandenburg – Underground“. Foto: artnet / Christoph Bannat

Text: Katharina Helwig

Endlich bekommt die zeitgenössische Kunst in Berlin einen Raum, eine adäquate Plattform, ein sensationelles Basislager an prominenter Stelle: Die Kunsthalle kommt. Bald. Oder kommt sie doch nicht?

Eine gute Gelegenheit, Zeit, sich umzuschauen: Wo war die junge Berliner Kunst bisher? Weniger in den Galerien, noch weniger in Museen, eher hoch gehandelt im Ausland und Berlinern und Besuchern dadurch vorenthalten, das ist das Ergebnis der angeheizten Diskussion der letzten Monate. Und doch war und ist sie überall gegenwärtig. Kein spektakulär aufgezogener Kassenknüller, kein singuläres Event mit Metropolenglamour, sondern eine Vielfalt an Projekten, Ausstellungen und Experimenten, getragen von einem kontinuierlichen Engagement, das maßgeblich die Kunstvereine in Berlin leisten.

Kunstverein: Der kleine juristische Zusatz e.V. löst bei Mitgliedern desselben ein enthusiastisches Echo, bei Nichtbeteiligten eher einen Gähnreflex aus. Das mag an überholten Vorstellungen über die traditionsreichen Kunstvereine liegen, an der Abneigung gegen vor Paragraphen strotzenden Satzungen. Diese Letzten sind nach wie vor Grundlage jedes Kunstvereins und regeln Aufgaben und Struktur dieser Institution; die gesellschaftliche Relevanz ihrer Arbeit wird durch indirekte staatliche Förderung bestätigt und unterstützt. Für das Ziel, junge Kunst zu fördern, auszustellen und zu vermitteln und internationale Netzwerke zu knüpfen, sind die zumeist ehrenamtlichen Mitarbeiter unermüdlich aktiv.

Es gibt heute bundesweit etwa 250 Kunstvereine, kleine und große, traditionsreiche und neu gegründete, gefeierte und übersehene, alle ausgestattet mit unterschiedlichen Budgets, manche gefördert durch Stiftungen, andere vergeblich auf Sponsorensuche.
Die Kunstvereine befinden sich seit ihrer Gründungphase im 19. Jh. im Wandel, in der Auseinandersetzung mit kunst- und gesellschaftspolitischen Aktualitäten.

Durch die euphorisierende Wirkung der Aufklärung waren die ersten Kunstvereine ein Ausdruck bürgerlicher Emanzipation, die Hof und Kirche ein demokratisches Modell der Kunstvermittlung entgegensetzten. Sie förderten Künstler, da diese damals mit zunehmender Säkularisierung ihre Existenz zu verlieren drohten. Keine Galerien, kaum öffentliche Museen: Diese Lücke schlossen die Kunstvereine und waren das Triebwerk für die ersten Kunsthallen. Sie erwarben von den Mitgliedsbeiträgen Kunstwerke, die dann jährlich per Los an ein Mitglied gingen – Anreiz, die ‚Liebe für das Schöne’ mit dem Nützlichen zu verbinden. Heute geht es weniger ökonomistisch zu. Nur die Jahresgaben der Vereine, mit denen Mitglieder kleine Kunstwerke zum Vorzugspreis erwerben können, künden noch heute von dieser Praxis. Gerade die Möglichkeit, Kunst im nicht kommerziellen Feld präsentieren zu können, bietet Freiraum für Ideen und ist von Vorteil für Künstler und Publikum, später dann oft für die Galerien.

Berlin verfügt nicht, wie etwa Hamburg oder Bremen, über den einen alteingessenen mit der entsprechenden Kunsthalle verbundenen, sondern über mehrere Kunstvereine mit unterschiedlichem Selbstverständnis. Die bekanntesten wurden Ende der 1960er gegründet. Aus kunstaffinen Menschen aller Couleur, Künstlern und Wissenschaftlern wurden passionierte Mitglieder.
So im Neuen Berliner Kunstverein, 1969 gegründet und seit 1994 in der Chausseestraße ansässig. Im Treffpunkt NBK haben alle Interessierten die Möglichkeit, Künstler kennen zu lernen und sich in Vorträgen auf den aktuellen Stand der Kunst bringen zu lassen. Auch werden regelmäßig Stipendiaten der Kulturverwaltung des Berliner Senats vorgestellt.

Die im selben Jahr gegründete Neue Gesellschaft für Bildende Kunst arbeitet ausdrücklich basisdemokratisch, ohne die sich in Vereinen automatisch einstellende Hierarchie mit beauftragter künstlerischer Leitung. Hört sich schwerfällig an, räumt aber den Mitgliedern gleichwertiges Mitspracherecht ein. Die Räume in der Oranienstraße in Kreuzberg offenbaren überraschende und aufschlussreiche Ausstellungen über gesellschaftspolitische Themen. Dazu kommt der ungewöhnliche, aber publikumswirksame Ausstellungsort im U-Bahnhof Alexanderplatz. Anstelle penetranter Werbeplakate wird auf dem Bahnsteig der U2 Kunst geboten. Aktuell sind Werke von Marc Brandenburg in UNDERGROUND zu sehen.

Da Berlin zwar einen Bezirk namens Mitte, aber kein eigentliches Zentrum hat, sondern dezentral organisiert ist, auch in kulturellen Belangen, wundert die Vielfalt der kleineren Kunstvereine nicht. Auf der Suche nach Räumen agieren sie oft mit Kunst- bzw. Kulturämtern zusammen.

Der Kunstverein Tiergarten e.V., 2005 gegründet, fördert z.B. zusammen mit dem Kulturamt Mitte künstlerische Projekte vorrangig in Moabit und Tiergarten. Er bietet ein umfassendes Vermittlungsprogramm und übernahm 2006 die Trägerschaft für die Galerie Nord, in der die anspruchsvollen, themenorientierten und international besetzten Ausstellungen einen Rahmen finden.

So können die Bezirke weiter durchdekliniert werden: Charlottenburg? In nächster Nachbarschaft zum Schloss Charlottenburg zeigt die Villa Oppenheim, Galerie für Gegenwartskunst, junge Kunst aus Berlin, internationale Künstler und betreibt ein umfangreiches Vermittlungsprogramm. Tempelhof-Schöneberg? Haus am Kleistpark: Zusammenarbeit mit der NGBK. Kürzlich machten die Stipendiaten der Karl-Hofer-Stiftung im Haus am Kleistpark eine STIPVISITE. Steglitz-Zehlendorf? Schwartzsche Villa, bis 2005 war auch das Haus am Waldsee in Trägerschaft des Bezirks. Neukölln? Galerie im Saalbau und im Körnerpark, die eine enge Zusammenarbeit mit dem 1996 gegründetem Kulturnetzwerk Neukölln e.V. pflegen. Kreuzberg-Friedrichshain? Kunstraum Kreuzberg/ Bethanien, der aktuell mit HARDCORE GLAMOUR brilliert (siehe Ausstellungshinweis auf Seite 21) und die Galerie im Turm auf der anderen Spreeseite des Bezirkes. Angesichts immer knapper Budgets kann diese engagierte Arbeit für Künstler und Öffentlichkeit, für Berlin, nicht hoch genug eingeschätzt werden. (Von dieser Stelle: Großes Lob und weiter so! An Politik und Sponsoren: Investieren!)

Aber längst nicht alle Kunstvereine finden einen passenden Raum oder sind finanziell so ausgestattet, dass sie ihre Projekte ausreichend gestalten und bewerben können. Gerade in der Konkurrenz zu marketingstarken Museen geraten sie oft ins Hintertreffen. Frustration ist dann ein zäher Begleiter. Als Alternative entwickelt und nutzt der Kunstverein K.A.P., gegründet 1996 im Prenzlauer Berg, seine Internetpräsenz um Künstler vorzustellen. Die Grenzen zwischen Produzentengalerie und Kunstverein sind oftmals fließend, wie bei der Produzentengalerie Scotty Enterprises, deren Verein zurzeit in Gründung ist.
Mannigfaltige Möglichkeiten, der jungen Kunst zu begegnen, notfalls auch ohne ‚Gesamtkunsthalle’. Der Wunsch der Kunstvereine? Dass ihr Angebot genutzt wird. Auch von Nichtmitgliedern.

 

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