Großer Wolf & kleiner Wolf


Großer Wolf & kleiner Wolf

Großer Wolf & kleiner Wolf

Abbildung erschienen in KUNST Magazin Ausgabe April 2010

Das Bilderbuch erzählt die Geschichte von dem großen Wolf und dem kleinen Wolf und einem kleinen Blatt. Das Blatt hängt ganz oben am Baum und ist so schön zart und grün, dass der kleine Wolf es so gern haben möchte. Der große Wolf vertröstet ihn und sagt: “Warte ein Weilchen… irgendwann fällt es herab“. Der kleine Wolf wartet das ganze Jahr vergebens und schließlich klettert der große Wolf hinauf, um das Blatt zu holen. Die Äste werden immer dünner und das Klettern immer gefährlicher – doch der große Wolf steigt immer höher. Denn er möchte die Augen seines Freundes leuchten sehen. Eine zauberhaft und ungewöhnlich illustrierte, wunderschöne Erzählung.

Nadine Brun-Cosme, Olivier Tallec, Bernadette Ott (Übers.): Großer Wolf & kleiner Wolf. Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2009. 32 S., gebunden, 12,90€.
ISBN: 978-3-8369-5246-0

Dieses Buch bei Amazon bestellen

Veröffentlicht unter 1004 "Hypernatural", Bücher, KM 1004 | Hinterlasse einen Kommentar

Simon Pasieka – green horn


Abbildung erschienen in KUNST Magazin Ausgabe April 2010

Elisabeth Jungklaus

Simon Pasieka (*1967) arbeitet figurativ und erzählend. Seine großformatigen Arbeiten aus Malerei und schwarzen Tuschpinselzeichnungen zeigen paradiesische Welten und Utopien, in denen sich Jugendliche, die sich an der Schwelle zum Erwachsenwerden befinden, eingerichtet haben. In der Natur erproben sie ihr Leben fern von der Erwachsenenwelt und gesellschaftlichen Zwängen, um sich zu finden und zu definieren.

Galerie im Taxipalais, Innsbruck, Kunsthalle Göppingen, Städtische Galerie Delmenhorst: Simon Pasieka. green horn. Kehrer Verlag, Heidelberg 2009. Deutsch/ Englisch/Französisch, 128 S.,34 Farb- und 28 S/W-Abb., Hardcover, 30 €.
ISBN: 978-3-868 8-07 -2

Dieses Buch bei Amazon bestellen

Veröffentlicht unter 1004 "Hypernatural", Bücher, KM 1004 | Hinterlasse einen Kommentar

Hair’em Scare’em


Abbildung erschienen in KUNST Magazin Ausgabe April 2010

Elisabeth Jungklaus

Haare. Allein das Wort führt bei vielen Menschen zu eher zwiespältigen Assoziationen. In der Kunst sind Haare schon längst ein Thema. „Hair’em Scar’em“ stellt aktuelle Arbeiten von Künstlern, Grafi kdesignern, Fotografen, Illustratoren sowie Interior-, Mode- und Schmuckdesignern vor, die Haare in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten stellen und sie zum Beispiel als Gestaltungsmaterial für Skulpturen und Installationen verwenden. Die ungewöhnlichen Kreationen sind unterhaltsam und auf jeden Fall überraschend.

Matthias Hübner, Sven Ehmann, Robert Klanten: Hair’em Scare’em. Die Gestalten Verlag, Berlin 2009. Englisch, 224 S., vollfarbig, Softcover, 5 €.
ISBN: 978-3-89955- 75-1

Dieses Buch bei Amazon bestellen

zu Finden unter: KBN30 | Veröffentlicht unter 1004 "Hypernatural", Bücher, KM 1004, Vitrine | Hinterlasse einen Kommentar

Elke Krystufek – Nein


Abbildung erschienen in KUNST Magazin Ausgabe April 2010

Christoph Zitzlaff

Früher machte sich Elke Krystufek auf ihren Ausstellungen noch selbst ganz schön nackt, um bildkünstlerische (Körper-)Strategien aus weiblichem Kalkül heraus zu hinterfragen. Gerade suchte die Österreicherin die Hannoversche Kestnergesellschaft mit ihrer fast abgesagten Schau „Less (Male) Art“ zu entblößen, in der sie den männlich dominierten Betrieb herausforderte. Was dahintersteckt, kann man nachlesen: Krystufeks „Nein“ ist eine Textsammlung, die zeigt, wie sehr das geschriebene Wort zum wichtigen Werkzeug ihrer Arbeit geworden ist – Dokumente der Lust, gesellschaftliche Genderrealität radikal gegen den Strich zu bürsten.

Elke Krystufek: Nein. Edition Camera Austria, Graz 2008. 19 Seiten, Deutsch/teilweise Englisch, 16 Bildseiten, Taschenbuch, 18,00 €.

ISBN: 978-3-900508-7 -9

Dieses Buch bei Amazon bestellen

Veröffentlicht unter 1004 "Hypernatural", Bücher, KM 1004 | Veröffentlicht unter 1004 "Hypernatural", Bücher, KM 1004 | Hinterlasse einen Kommentar

Martin Kippenberger: I was born under a wand’rin’ Star


Abbildung erschienen in KUNST Magazin Ausgabe April 2010

Katja Schorch

Was sagt uns das, was der Künstler sagt? Die CD mit Originalaufnahmen aus den 1990er Jahren bietet Gelegenheit, dieser Frage nachzugehen. Und das auf sehr unterhaltsame Weise. Die Aufnahmen entstammen Gesprächen, die Kippenberger mit Ariane Müller, Diedrich Diederichsen, Daniel Baumann und Jutta Koether – im Zug oder in Kneipen – führte. “Kippy” spricht selbstverständlich über sein Kunstverständnis – Abschweifungen inklusive. Somit bietet die CD authentisches Material, um ihm und seinem Schaffen posthum noch einmal auf besondere Art näherzukommen.

Brigade Commerz – Audio Arts Archives: Martin Kippenberger. I was born under a wand’rin’ Star. Originaltonaufnahmen. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2009. Audio-CD, 55 Minuten, 19,80 €. ISBN: 978-3-941185-43-2

Dieses Buch bei Amazon bestellen

Veröffentlicht unter 1004 "Hypernatural", Bücher, KM 1004, Künstler | Veröffentlicht unter 1004 "Hypernatural", Bücher, KM 1004, Künstler | Hinterlasse einen Kommentar

Alex Tennigkeit – Usurper’s Choice


Abbildung erschienen in KUNST Magazin Ausgabe April 2010

Elisabeth Jungklaus

Alex Tennigkeit studierte an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und lebt und arbeitet in Berlin. Die Malerin beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit Codes und Symbolen der Populär- und Hip-Hop-Kultur. Diese kombiniert sie mit Bild- und Textzitaten der griechischen und römischen Antike und Bilderfindungen des Barock. In den Bildräumen rekeln sich fast nackte Frauen neben Knochenmännern, die einen modernen Totenkult und ein Abziehbild der Pop-Medien-Kultur inszenieren. Der Katalog erschien anlässlich der beiden Ausstellungen, die in der Stadtgalerie Schwaz in Tirol und in der Galerie Jette Rudolph in Berlin zu sehen waren.

Stadtgalerie Schwaz: Alex Tennigkeit. Usurper’s Choice. Kerber Verlag, Bielefeld 2009. Deutsch/Englisch, 104 S., 53 farb. und 2 S/W-Abbildungen, Hardcover, 32,80 €. ISBN: 978-3-86678-179-5

Dieses Buch bei Amazon bestellen

Veröffentlicht unter 1004 "Hypernatural", Bücher, KM 1004 | Veröffentlicht unter 1004 "Hypernatural", Bücher, KM 1004 | Hinterlasse einen Kommentar

Arno Fischer – Fotografie


Abbildung erschienen in KUNST Magazin Ausgabe April 2010

Katja Schorch

Ein halbes Jahrhundert in Bildern festzuhalten, das gelingt Arno Fischer mit scheinbar zufällig arrangierten Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Zur Retrospektive, die aktuell im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus gezeigt wird, erscheint dieser Katalog mit Fotografien der gesamten Schaffenszeit Fischers. Er enthält Aufnahmen vom Berlin der 1940er und 1950er Jahre, Reisebilder sowie Arbeiter- und Künstlerporträts. Zudem Modefotografien, die für die DDR-Zeitschrift „Sibylle“ entstanden sind. Besondere Beachtung verdient die Serie „Der Garten“: In den letzten 30 Jahren hat Fischer mit einer Polaroid-Kamera Details in seinem Garten festgehalten.

Institut für Auslandsbeziehungen e. V. (ifa), Elke aus dem Moore (Hg.): Arno Fischer – Fotografie. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2009. Deutsch/Engl., 227 Seiten, Hardcover, 39,80 €. ISBN 978-3-7757-2548-4

Dieses buch bei Amazon bestellen

Veröffentlicht unter 1004 "Hypernatural", Bücher, KM 1004, Künstler | Veröffentlicht unter 1004 "Hypernatural", Bücher, KM 1004, Künstler | Hinterlasse einen Kommentar

KUNST Magazin Sammlergespräch: Ivo Wessel


Ivo Wessel, Foto: Edmund Piper
Abbildung erschienen in KUNST Magazin Ausgabe April 2010

von Jan Kage und Hannah NehbDer Softwareentwickler Ivo Wessel sammelt bevorzugt Video- und Konzeptkunst. Zu seiner Sammlung gehören Arbeiten von Via Lewandowsky, Ottmar Hörl, Marcel Bühler, Sven Johne, Pipilotti Rist, Bjørn Melhus, Stefan Panhans und Karin Sander. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Artikel, Englisch, KM 1004, Sammlergespräche | Veröffentlicht unter Artikel, Englisch, KM 1004, Sammlergespräche | 2 Kommentare

4 Jahre KUNST Party

30. APRIL 2010, 21:00

 LIVE: Rhythm Monks (special Guest: Stickboy) – Piloka Krach – Ritsche & Zast
 DJs:
Jan Joswig – Hypnorex – John Spring – BodiBill
 VIDEOART: Marcelina (antistaticfamily) – WKD – Flow

ALLE EINZELHEITEN ZUR PARTY GIBT ES HIER !

 

Veröffentlicht unter 1004 "Hypernatural", Artikel, Events, Intern, KM 1004 | Hinterlasse einen Kommentar

Hypernatural


Philip Grözinger: Jakob, 2010

Philip Grözinger: Jakob, 2010

Öl auf Leinwand, 50 x 60 cm, Foto: Marcus Schneider, Courtesy: Galerie Christian Ehrentraut, Berlin
Abbildung erschienen in KUNST Magazin Ausgabe April 2010

Mark Gisbourne

Irgendwo zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit lauert ein Sinnesinterstitium: der Vorhof der Apperzeption. Und was zunächst als unvorstellbar gilt, nimmt erst dann die Konturen des Vorstellbaren an, wenn es der allzu dominanten Neigung des rationalen Geistes anheimfällt. Doch wie der französische Philosoph Henri Bergson in einem Aufsatz über die innere Vorstellung und die Auswahl äußerer Bilder schon längst bemerkt hat: “Im Realismus erscheint jede Wahrnehmung unvermeidlich als Zufall und somit als Rätsel.”1 Gerade solche Metaphern des Lichts und der Dunkelheit mitsamt ihren psychischen Schattierungen im Denken des menschlichen Geistes sind die Leitthemen der von Florian Müller-Klug kuratierten Ausstellung “Hypernatural”. Die evokative Bindung des Präfixes “hyper” (was so viel wie “über”, “exzessiv”, oder “mehr als normal” bedeutet) mit dem Beiwort “natürlich” (“der Natur gehörig” oder “die Natur betreffend”) betont die Tatsache, dass die menschliche Einbildungskraft in einem unentwegten und nie gelösten existenziellen Paradox zwischen Naturgegenstand und Einbildung verharrt.
Im Mittelpunkt dieser Ausstellung steht also das Unerklärbare oder das Unbegreifliche, sprich: Sichtbares und Unsichtbares, Mysteriöses und Ominöses, und 22 Künstler werden in ihrer jeweiligen Art und Weise dieses Spannungsfeld thematisieren. Vor unserem Redaktionsschluss war noch nicht ganz ausgemacht, welche Objekte ausgestellt werden manche steckten noch in der Entwicklung. Doch unabhängig davon, ob sie am Ende okkultistische oder phänomenologische oder schlicht konzeptionelle Züge tragen, werden sich alle Arbeiten mit den kreativen Grenzen des zugleich Imaginären und Realen auseinandersetzen: mit dem, was als natürliches Phänomen vorkommt, sowie mit den transzendentalen Sätzen, die auf das Phänomen bezogen werden können.
Die übernatürliche, surreale und/oder okkultistische Herangehensweise lässt sich am besten in den Arbeiten von Künstlern wie Philip Grözinger und Jonas Burgert erkennen. Das kleine Gemälde von Grözinger ist Teil einer Inselserie, die von Adolfo Bioy Casares’ Kurznovelle “Morels Erfindung” inspiriert wurde. In Casares’ Novelle findet ein Flüchtling unter einer sonderbaren Truppe von Inseltouristen Asyl und verliebt sich allmählich in eine von ihnen; wie sich allerdings herausstellt, ist ihre Gegenwart nichts anderes als das Produkt einer mysteriösen Projektionsmaschine. Grözingers Bild “Moloch” bezieht sich ebenfalls (ob absichtlich oder nicht) auf den heidnischen dämonischen Gott, der das Opfer lebender Kinder verlangt (Lev. 18:21, 20:2-5). Das Bild verweist somit auf eine bunte Mischung aus Fantasie und Wirklichkeit und wird jedoch zugleich von einer narrativen Präsenz und Referenzialität getragen, die gelegentlich auch die virtuellen, bloß vorgestellten Lebenserfahrungen zum Inhalt haben.
In einer ähnlichen Art und Weise stellen Burgerts große Ölbilder oft das Aufeinanderprallen von imaginären erzählten Welten dar. Manchmal stark an Beckmanns Bildhaftigkeit erinnernd, wiewohl weniger klaustrophobisch in der Komposition und in der Handhabung von Raum, verbinden sie immer sowohl fantastische als auch surreale Elemente. Von daher taucht auch eine ganz andere Ansammlung von traumähnlichen Figuren in ihnen auf, die eine einzigartige Ikonografie hervorbringen: zugleich Collagenkomplex und imaginäres Abbild des Geistes. Diese Interaktion zwischen unterschiedlichen visuellen Bestandteilen verursacht eine hohe Spannung und hinterlässt beim Betrachter ein starkes Gefühl von Verwirrung, die aus der Gratwanderung zwischen den differenzierten Bezügen der fiktionalen Teilaspekte und dem Gesamteindruck hervorgeht. Und das Gefühl wird noch dadurch verstärkt, dass Objekte und Figuren oft mit ganz anderen Maßstäben aufeinander bezogen sind, denn im Vordergrund steht bei Burgert die surrealistische Idee der “Zusammenführung weit abgelegener Realitäten”. Die Verwendung von Quellen aus Fotografie und Ikonografie verdeutlicht, dass eine einzigartig integrierte Landkarte des somit vorgestellten Bewusstseins entsteht.
Bernd Ribbecks kleinformatige Zeichnungen erinnern oft an kosmologische Geometrie und an Bilder, die unter den Illustrationen von Okkultbüchern zu finden sind. Mit Kugelschreiber, Lack und Marker auf MDF generieren die Bilder mehrere optische Ebenen, die visuelle Anspielungen auf okkultistische Suprematisten und Konstruktivisten oder auf Künstler wie Kupka beinhalten. In den Arbeiten manifestiert sich ein kristallografisches und visuelles Feingefühl für geometrische Intarsie, was diese Sichtweise nur noch verdeutlicht. Die Wahlverwandtschaft zwischen Kristallografie und Kosmologie hat ja eine lange visuelle Tradition. In Textur, Markierung und in der optischen Ausstrahlung deuten Ribbecks Arbeiten auf einen paradoxen Sinn für Ordnung, der bei genauerem Hinsehen von alternativen Aspekten der Asymmetrie untermauert ist. Dennoch ist die vertrackte Abstraktion im Vexierspiel zwischen dem als Chaos vorgestellten Kosmos und dem Verlangen nach einem geordneten Universum durchaus in der Lage, den Sinn für die derart geladene Fülle dieser Bilder beim Zuschauer wachzurufen. Und mit dieser Technik gelingt es Ribbeck, eine Empfindung, ein “Feeling” heraufzubeschwören, welches dem rein Phänomenologischen mehr Platz einräumt, was sein Oeuvre von den theosophischen oder pseudo-spirituellen Streifzügen früherer Meister eben unterscheidet.
Materielle Phänomene sind auch für die Arbeiten von Björn Dahlem charakteristisch. Seine plastischen Installationen verlängern Konzeptionen des Kosmischen hin zu einer zusätzlichen paradoxen Form von domestizierter Astronomie: domestiziert in dem Maße, wie die Materialien, die der Künstler oft verwendet, aus alltäglichen Haushaltsartikeln oder üblichen Büroeinrichtungen wie Leuchtleisten und -armaturen, Teppichen, Kissen, Zaumteilen und sonstigen objets trouvés hergestellt werden. Solche erdgebundenen Realitäten fungieren als eine Art banaler Mikrokosmos der Alltäglichkeit, und sie werden in der Folge zusammengewürfelt mit galaktischen Modellen aus anderen astronomischen Quellen und Ideen, die der Science-Fiction abgeguckt sind. Science-Fiction versus Science-Fact ? diese Kontrahenten beschwören eine imaginierte Spannung herauf, die das Hauptziel der Ausstellung mit geballter Kraft verdeutlicht: eine hypernatürliche Ästhetik zu manifestieren entlang der undurchsichtigen Grenze zwischen dem Erklärbaren und dem Unerklärbaren.
Jorinde Voigts Zeichnungen tendieren zur Konzeptualität und teilen dennoch das starke Gespür für die astronomischen und atomischen Elemente dieser Welt. Sie beinhalten auch ein Element zeichnerischer Performanz als Form des Inhalts. Doch seltsamerweise basieren sie zugleich auf Bestandteilen, die aus abstrahierten oder natürlichen Phänomenen gewonnen werden, die Jorinde Voigt für ihr “Field of Force” adaptiert. Tabellen, Partituren und Zeichensysteme werden eingesetzt, um ein Gefühl von höherer oder geänderter Wahrnehmung zu kreieren, die, wiewohl eine Form analytischer Wahrnehmung, längst nicht auf die unmittelbare Realität beschränkt bleibt: Die Linienzeichnungen können ja auch oft symbolisch sein. Großformatig (gelegentlich als Diptycha) generiert Voigt einen linearen Link zwischen Objekten und Fakten: zwischen Linie und Semiotik, zwischen konventioneller Bedeutung und Gegenwirklichkeit. Die Linienführung dient der Künstlerin auch in anderer Hinsicht: Sie verbindet Sprache als Form schriftlichen Denkens mit Linienzeichnung als Darstellungsmodalität eines offenen Feldes im endlosen Raum. Alle Objekte existieren im Raum (also: greifbar), Gedachtes und Ausgedrücktes jedoch nur in der Zeit (ungreifbar). Ähnliche Vergleiche lassen sich auch in Bezug auf Hanne Darboven ziehen. Doch während beide Künstlerinnen eine konzeptionelle Basis teilen mögen, hat man bei Voigts Arbeiten nie den Eindruck, hier werde Vergangenes historisch schlicht vergegenwärtigt. Vielmehr dreht sich alles in ihrer Arbeit um das empfindliche Gleichgewicht zwischen der Idee eines Zeichensystems und der transformierenden Macht der Linie als intuitiver ständiger Bewegung. Man denkt unweigerlich an Wittgensteins Aperçu: was gezeigt werden könne, lasse sich nicht in Worte fassen.
Die Einbildungskraft als “Otherness”, als die Alterität, die wir in unseren eigenen Köpfen herumtragen, ist im Grunde ein persönlicher Sinn für das  Andere, welches ,wie Coleridge einmal gesagt hat, intuitiv gedeutet wird. Die Metaphern von Licht und Schatten sind die gewohnten vermittelnden Formen, in denen sie zum Ausdruck kommen, und sie bieten oft ein alternatives Verständnis für Realität. Die verschiedensten Be- griffe von Dunkelheit und Schatten ? ein doppeltes Wortspiel mit der Idee und Bedeutung von dunkler Materie (einem astronomischen Phänomen und zugleich einer unsichtbaren Form von Bedeutung) durchwandern die Ausstellung “Hypernatural”. Ihre buchstäbliche Deutung erfährt sie in Dennis Feddersens schwarzer Skulptur “Dark Passenger”: ein Werk, das von einem ähnlichen Sinn für jene natürlich-übernatürliche Einstellung getragen wird. Der Titel verweist auf einen populären Film, in dem ein unabhängiger Agent oder eine Kraft den Körper eines anderen bewohnt; doch zugleich lässt sich “Dark Passenger” als der lebendige Weggefährte deuten, den wir in unserer Einbildungskraft mit uns führen. In dieser Hinsicht ist das “Hypernatürliche” in Müller-Klugs Ausstellung eher etwas, was jedem menschlichen Geist innewohnt. Kurz: Es ist der gesteigerte Zustand eines kreativen Lebens, der schließlich eben auch unser großes Gespür für die imaginierte Realität ausmacht.

Mark Gisbourne war Tutor am Courtauld Institute of Art (University of London) und Dozent an der Slade School of Fine Art (University College, University of London). Später war er Dozent für Kunst nach 1945 und zeitgenössische Kunst am Sotheby’s Institute (University of London). Er ist ehemaliger Präsident der britischen und Vizepräsident der gesamten Association Internationale des Critiques d’Art (AICA). Gisbourne ist ebenfalls ein weitweit agierender Kurator und Autor, der ein halbes Dutzend Bücher und zahllose Ausstellungskataloge publiziert hat. Er arbeitet und lebt in Berlin.

HYPERNATURALDie von Florian Müller-Klug kuratierte Ausstellung “Hypernatural” findet statt in der Invalidenstr. 50-51, 10557 Berlin-Mitte, Map: E 14
Opening: 30. 4., 17h, 1. + 2.5., 12-20h

Beteiligte Künstler | Participating artists: Olivia Berckemeyer, Armin Boehm, Stefanie Bühler, Jonas Burgert, Björn Dahlem, Birgit Dieker, Uros Djurovic, Dennis Feddersen, Fabian Fobbe, Axel Geis, Andreas Golder, Amélie Grözinger, Philip Grözinger, Uwe Henneken, Gregor Hildebrandt, John Isaacs, Lisa Junghans, Alicja Kwade, Edmund Piper, Jovana Popic, Bernd Ribbeck, Sebastiann Schlicher, Jorinde Voigt, Herbert Volkmann.

 

 

Veröffentlicht unter 1004 "Hypernatural", Artikel, Ausstellungen, Intern, KM 1004 | Veröffentlicht unter 1004 "Hypernatural", Artikel, Ausstellungen, Intern, KM 1004 | Hinterlasse einen Kommentar