Kirill Golovchenko: 7km – Field of Wonders

Lea Dlugosch

„Feld der Wunder“ heißt der älteste Teil des 70 Hektar großen Marktplatzes sieben Kilometer vor den Toren Odessas, auf dem noch heute alles feilgeboten wird, was das Herz begehrt. Hier finden sich Brautkleider neben Schusswaffen und Obstkörbe zwischen vermeintlicher Markenware zum Schleuderpreis. 60 000 Menschen arbeiten hier am der Landstraße von Odessa nach Ovidiopol. Der aus der Ukraine stammende Dokumentarfotograf Kirill Golovchenko widmet diesem Ort der Gegensätze eine Werkreihe. Seine Aufnahmen illustrieren die Schnittstelle zwischen Armut und Überfluss, traditionellem Marktwesen und heutigem Discounterboom.

Kirill Golovchenko: 7km – Field of Wonders. Snoeck Verlag, Köln 2009. Deutsch/englisch, 144 Seiten, vollfarbig, Hardcover, 29,80 €. ISBN: 978-3-940953-31-5

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Kritische Bildproduktion Maja Weyermann bei uqbar


Maja Weyermann, Szczecinek 1, 2010

Maja Weyermann, Szczecinek 1, 2010

Rendering als Lambdaprint, 33 x 60 cm. Copyright: Maja Weyermann, Berlin, 2010, Abbildung erschienen in KUNST Magazin Ausgabe November 2010

Thomas Wulffen

Das digitale Bild ist allgegenwärtig. Diese Allgegenwärtigkeit ist so präsent, dass wir sie gar nicht mehr bemerken. Allenfalls, wenn ein Fehler auftaucht, fragen wir uns als Betrachter, ob es sich wirklich um einen Fehler handelt oder ob hier nur die Aufmerksamkeit angesprochen werden will. Q. e. d.
Vor Kurzem hingen in der U-Bahn-Station Frankfurter Tor zwei Plakate ähnlichen Aussehens, die jeweils in der linken oberen oder rechten unteren Ecke seltsame Kritzeleien aufwiesen. Zuerst lag die Vermutung nahe, dass es sich um äußerliche Eingriffe auf das jeweilige Plakat handelte. Eine nähere Untersuchung entlarvte diese Striche jedoch als digitalen Scherz: fishing for attention – in der Form eine Ausnahme, obwohl gerade Werbe-Bilder permanenter digitaler Bearbeitung unterliegen. Wer heute noch von einem „richtigen“ Bild träumt, der muss seinen analogen Film schon selber entwickeln, falls er dergleichen überhaupt noch findet. Dennoch gibt es im digitalen Kosmos nach wie vor Klärungsbedarf – die digitalen Bilder lassen sich durchaus noch nach Abbildung und Nachbildung differenzieren.
Ebendieser Unterschied ist ein wesentliches Moment in der Arbeit und der Ausstellung von Maja Weyermann in der Galerie uqbar. Der seltsame Titel der Ausstellung „Real time nomads“, in der dem Besucher vermeintliche Fotografien neben Skizzen und anderen Aufzeichnungen präsentiert werden, erklärt sich erst im zweiten Schritt. Für das Ausstellungsprojekt hat die Künstlerin Ladenbesitzer mit Migrationshintergrund nach Erinnerungen an Räume aus ihrer Kindheit befragt. Diese Erinnerungen hat Maja Weyermann zunächst in Skizzen festgehalten, um sie anschließend im digitalen Raum wieder herzustellen. Das daraus entstandene Bild wurde den Befragten noch einmal zur Korrektur vorgelegt, die Korrekturen ihrerseits wurden in das Bild integriert.
Zwei Momente sind bei diesem Vorgang entscheidend: Ein imaginierter Raum wird in der digitalen Rekonstruktion abgebildet, wobei diese Rekonstruktion dann noch einmal korrigiert wird.
Das gewöhnliche digitale Bild, sei es als Aufnahme oder Konstruktion, wird selten mit der „Wirklichkeit“ konfrontiert. In diesem Falle aber ist die Wirklichkeit eine Erinnerung auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Das digitale Bild behauptet sich dagegen als Realität aus sich selbst, die bei genauerem Hinsehen eine Schimäre ist. Maja Weyermann lässt in ihren Bildern die Konstruktion als solche sichtbar werden. Zum einen scheint das Bild unvollständig, oder es weist Fehler auf. Zum anderen ist es durch Skizzen oder analoge Fotos ergänzt, die die digitale Wirklichkeit enträtseln können – die handschriftliche Zeichnung gewinnt vor dem Hintergrund der gewählten Bildproduktion ebenfalls eine andere Bedeutung.
Und plötzlich scheinen zwei verschiedene Wirklichkeitskonzepte in Konkurrenz zu treten – auf der Suche nach dem verlorenen Bild: real time nomads.
Die an dem Projekt beteiligten Ladenbesitzer können in ihren Geschäften besucht werden und stehen für Fragen zur Verfügung.

5.11., 14h: Artist-talk und Führung zu den umliegenden Ladenlokalen
20.11., 20h: Finissage. Maja Weyermann im Gespräch mit einer Interviewpartnerin

Weitere Informationen finden Sie auf der Projektwebsite www.real-time-nomads.com

Real-Time-Nomads ist ein Projekt von Maja Weyermann in Kooperation mit der Internationalen Akademie für innovative Pädagogik, Psychologie und Ökonomie (INA) an der Freien Universität Berlin, dem Büro für psychosoziale Prozesse, uqbar, Collegium Hungaricum Berlin, dem Neuen Berliner Kunstverein sowie THE KNOT und wurde finanziert mit Unterstützung der European Cultural Foundation und LURI.watersystems.GmbH.

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The Digital Eye. Photographic Art in the Electronic Age

Hanna Magauer

Digitale Fotografie – nur eine von vielen Entwicklungen in der 150-jährigen Fotografiegeschichte oder ein abgegrenztes, autonomes Medium? Sylvia Wolf plädiert für letzteres. Ihr Buch zeigt digitale Fotokunst, die sich ihrer Zusammensetzung aus Dateninformation bewusst ist und die daraus resultierende Manipulierbarkeit reflektiert. In Text und Bild wird eine Übersicht über den Diskurs vermittelt, der seit den 1980er-Jahren das Selbstverständnis der Fotografie radikal erschüttert hat.

Sylvia Wolf: The Digital Eye. Photographic Art in the Electronic Age. Prestel Verlag, München 2010. Englisch, 176 Seiten, 125 Farbabb., Hardcover, 29,95 €. ISBN: 978-3-7913-4318-1

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Jeff Wall – Transit

Jasmin Aßmann

Der Ausstellungskatalog der „Transit“-Ausstellung im Albertinum Dresden zeigt einen Querschnitt aus 30 Jahren künstlerischen Schaffens des aus Vancouver stammenden Fotokünstlers Jeff Wall. Zu seinen großformatigen Leuchtkastenbildern, die er in den 70er-Jahren erstmals präsentierte, wurde der Künstler ursprünglich von Leuchtreklametafeln inspiriert. Heute scheint es, als seien seine Motive Teile inszenierter Filmaufnahmen: akkurat durchgeplante Kompositionen, oftmals angelehnt an Werke großer Schriftsteller oder Maler, auf denen der Moment zur Ewigkeit wird.

Ulrich Bischoff und Mathias Wagner (Hg.): Jeff Wall – Transit. Schirmer/Mosel, München 2010. Deutsch/englisch, 136 Seiten, 44 Abb., davon 26 farbig, Hardcover, 49,80 €. ISBN: 978-3-8296-0478-9

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Oper Dynamo West

Lea Dlugosch

Vom lateinischen „aer“ für Luft stammt der Begriff der Arie. Kaum passender könnte das Motto des Freiluftbühnen-Projekts „Oper Dynamo West“ lauten. Zuschauer werden an sieben Orte im Berliner Westen geführt, um dort Vertreter eines bestimmten Berufs zu treffen, die ihnen aus ihrem Alltag berichten. Im Anschluss daran gibt eine Sängerin eine Puccini-Arie zum Besten und kommt in einem Grand Finale dramatisch inszeniert zu Tode. Der dazugehörige Bildband illustriert eindrucksvoll einzelne Stationen des urbanen Musiktheaters. Kein noch so ausgefeiltes Bühnenbild könnte diese Kulisse ersetzen.

Janina Janke (Hg.): Oper Dynamo West. Die Stadt als Bühne. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2010. 144 Seiten, vollfarbig, Hardcover, 29,80 €. ISBN 978-3-7757-2625-2

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Spot on the artists

Jasmin Aßmann

Sie hat sie alle gehabt: Andy Warhol, Joseph Beuys, Robert Rauschenberg, Günther Uecker u. v. m. standen vor ihrer Linse, immer analog fotografiert, immer in Schwarz-Weiß. Farbfotografien seien für sie unvollständig, ihnen fehle die Notwendigkeit zur Imagination, findet Angelika Platen, seit über 40 Jahren Fotografin. Allerdings mit einer 20-jährigen Unterbrechung, während der sie keine Kamera angefasst hat. Erst seit 1999 fotografiert sie wieder Künstler, teilweise dieselben wie in den 70er-Jahren. Einige dieser Fotografien sowie frühere Arbeiten wurden jetzt zusammengestellt und durch Kurzbeschreibungen und ein sehr persönliches Gespräch mit der Künstlerin ergänzt.

Günter Engelhard (Hg.): Angelika Platen. Künstler. Hatje Cantz 2010. Deutsch/englisch, 240 Seiten, 238 Abbildungen, 49,80 €. ISBN: 978-3-7757-2653-5

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Contemporary African Photography from the Walther Collection

Lea Dlugosch

August Sanders „Antlitz der Zeit“ läutete 1929 eine neue Ära der Porträtkunst ein. Ähnlich dokumentarisch und umfassend ist der Bildband zur Ausstellung „Events of the Self. Portraiture and Social Identity“ der Walther Collection gestaltet, in dem der Brückenschlag zwischen Neuer Sachlichkeit und moderner afrikanischer Fotokunst gelingt. Der daraus resultierende Dialog vermittelt einen vielschichtigen Einblick in die Geschichte dreier Generationen aus zwei Kontinenten und ermöglicht dem Betrachter ein differenziertes Verständnis postkolonialer Entwicklung.

Okwui Enwezor (Hg.): Contemporary African Photography from The Walther Collection. Events of the Self. Portraiture and Social Identity. Steidl Verlag, Göttingen 2010. Deutsch, 448 Seiten, Hardcover, 65 €. ISBN 978-3-86930-157-0

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Galerieprofil – Camera Work


Tina Berning und Michelangelo Di Battista: FACE project, Ausstellungsansicht, 2010

Tina Berning und Michelangelo Di Battista: FACE project, Ausstellungsansicht, 2010

Copyright: Tina Berning und Michelangelo Di Battista, Abbildung erschienen in KUNST Magazin Ausgabe November 2010

Hannah NehbEin Freitagabend auf der Kantstraße in Berlin-Charlottenburg: Elegant gekleidete Menschen strömen auf Hausnummer 149 zu; einige haben langstielige Rosen in der Hand. Im Hinterhof bildet sich eine Menschentraube vor dem Eingang zur Galerie CAMERA WORK. Freunde der Galerie überreichen einer ehemaligen Mitarbeiterin, die seit Gründung der Galerie jeden Gast persönlich begrüßt, eine Blume. Weiterlesen

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KUNST Magazin Sammlergespräch mit Manfred P. Herrmann


Manfred P. Hermann sammelt seit über 15 Jahren zeitgenössische Kunst

Manfred P. Hermann sammelt seit über 15 Jahren zeitgenössische Kunst

Foto: Krystian Geyr

Jasmin AßmannManfred P. Herrmann, seit 28 Jahren Steuerberater in Berlin, besitzt eine große Sammlung zeitgenössischer Malerei, Fotografie und Skulptur.
Steuerrechtsexperte und Kunstsammler, passt das zusammen? Weiterlesen
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Was gibt’s denn da zu lachen? Lustiger Workshop in der Berlinischen Galerie


C: Monika Baecker

C: Monika Baecker

Findet ihr Museumsführungen auch total ätzend? Dieser Kurs ist garantiert frei von langweiligen Fakten und unverständlichen Begriffen. Abbildung erschienen in KUNST Magazin Ausgabe November 2010

Katharina Küster

Kommen euch Museen auch manchmal vor wie Kirchen oder sogar Friedhöfe? Man darf weder toben noch lachen. Dabei gibt es im Museum so viel Lustiges zu entdecken! Ob es der Museumsführer ist, der wild gestikulierend fast der Skulptur neben ihm gleicht, oder euch ein abstraktes Kunstwerk an die fleckigen Vorhänge von Tante Louise erinnert, ist allein eine Frage eurer Fantasie. Lachen erlaubt!
Am ersten Tag seid ihr im Museum auf der Jagd nach komischen Momenten. Die fangt ihr mit einer Kamera oder mit Stift und Papier ein. Am zweiten Tag hilft euch Peter Schedler in der Galerie „Bunter Jakob“, eure Skizzen und Karikaturen so aussehen zu lassen, wie ihr sie gerne hättet. Er kann euch dabei Spannendes über verschiedene Techniken erzählen. Ihr werdet sehen, dass ihr nächstes Mal sogar freiwillig mit ins Museum kommt.

Der Workshop findet am 20. und 21.11. jeweils zwischen 10 und 15h in der Berlinischen Galerie, Alte Jakobstraße 124-128, 10969 Berlin statt und kostet 23€. Anmeldung unter info@jugend-im-museum.de oder 266 42 22 42. Teilnahme ab acht Jahren.

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