KUNST Sammlergespräch mit Jochen Kienzle


Jochen Kienzle

Jochen Kienzle

Foto: Wolfgang Selbach
Abbildung erschienen in KUNST Magazin Ausgabe März 2011

Kathrin Tobias

Jochen Kienzles (*1959) Begeisterung für die Kunst begann bereits in seiner Jugend, befördert durch die heimische Sammlung von Werken der Klassischen Moderne. Seinem Interesse folgend, studierte er nach einer Schreinerlehre Kunstgeschichte in München. In dieser Zeit legten einige Arbeiten von Emil Schumacher den Grundstein für Kienzles eigene Sammlung. Deren inhaltliche Schwerpunkte finden sich heute in den 1960er- bis 1980er-Jahren, vereint u. a. durch Werke von Jack Goldstein, Ketty La Rocca, Jonathan Lasker und Anna Oppermann. In Berlin ist der Kunsthistoriker Kienzle kein Unbekannter. 1997 etablierte er zusammen mit Annette Gmeiner sehr erfolgreich die Programmgalerie Kienzle & Gmeiner, die mit einer Ausstellung des Arte-Povera-Künstlers Emilio Prini eröffnet wurde. Um Inhalte stärker und vielschichtiger vermitteln zu können, gründete Kienzle schließlich eine Stiftung. Die 2010 eingeweihte Kienzle Art Foundation in der Bleibtreustraße in Berlin- Charlottenburg kombiniert in ihrer aktuellen
Ausstellung „Twisted Standards“ Werke von Prini mit Arbeiten von Elmar Zimmermann. Die Stiftung widmet sich der Vermittlung hochkarätiger, aber z. T. vergessener Positionen, die auch theoretische Fragen nach unterschiedlichen Kunstbegriffen aufgreifen. Auf diese Weise spiegeln die Aktivitäten der Art Foundation die diskursive Anlage der Sammlung Kienzle sehr treffend wider. Wir freuen uns auf das KUNST Sammlergespräch mit Jochen
Kienzle, moderiert von Jan Kage alias Yaneq. Donnerstag, 3.3., Einlass ab 20h, Gespräch ab ca. 20.30h Bar Tausend, Schiffbauerdamm 11, Berlin-Mitte

Um Anmeldung wird gebeten: sammler@kunstmagazin.de

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Grafikdesign des Jugendstil. Der Aufbruch des Bildes in den Alltag


Abbildung erschienen in KUNST Magazin Ausgabe März 2011

Verena Muckel

Der Gründungsdirektor des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg, Justus Brinckmann, legte an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert den Grundstein für eine Sammlung mit über 1500 Werken von Künstlern wie Henri de Toulouse-Lautrec oder Peter Behrens. Plakate, Poster, Postkarten und Briefköpfe: Die Bilderwelt hielt Einzug in unseren Alltag. Der mit 900 Abbildungen illustrierte Katalog enthält neben den Biografien der 200 Künstler eine Übersicht über die Entwicklung des Grafikdesigns. Vom 20.5. bis 28.8. wird die Ausstellung, zu der diese Publikation erschienen ist, im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg zu sehen sein.

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (Hg.): Grafikdesign des Jugendstil. Der Aufbruch des Bildes in den Alltag. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2011. Deutsch, 512 S., ca. 900 Abb., davon 800 farbig, Hardcover, 58 €. ISBN: 978-3-7757-2740-5

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_Art & Price Index – Volume 1 & 2


Abbildung erschienen in KUNST Magazin Ausgabe März 2011

Kathrin Tobias

Das zweibändige Nachschlagewerk liefert einen lückenlosen Überblick zu den Auktionsergebnissen der letzten 25 Jahre. Reinhard Fuchs hat den über 18.000 alphabetisch sortierten Künstlereinträgen jeweils die veräußerten Werke, das entsprechende Auktionshaus und den erzielten Preis mit dem Datum der Versteigerung zugeordnet. Insgesamt sind 365 internationale Auktionshäuser berücksichtigt worden. Das Kompendium mit seinen über
61.000 Auktionsergebnissen stellt für Handel und Kunstliebhaber eine wichtige Orientierung zur Preisfindung dar.

Reinhard Fuchs: Art & Price Index. Volume 1 & 2. Verlag Ferdinand Berger & Söhne, Horn 2011. Deutsch, 2 Bde., 776 und 760 S., 40 farbige Abb., Hardcover, 99 €. ISBN 978-3-85028-507-0 (Bd. 1) und ISBN 978-3-85028-508-7 (Bd. 2)

 

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Kunst, Markt und Recht


Abbildung erschienen in KUNST Magazin Ausgabe März 2011

Stefanie Weiss

Bei jedem Kunstgeschäft tauchen rechtliche Fragen auf. Gerhard Pfennig, Rechtsanwalt und Vorstandsmitglied der VG Bild-Kunst, spannt in seinem Leitfaden den Bogen von einem gesetzlich geregelten Urheber- und Werkbegriff über die Rechtsverhältnisse bei der Verwertung von Kunstwerken bis hin zum gewerblichen Umgang mit Kunstwerken sowie zu den Einflussträgern Verwertungsgesellschaften und Künstlersozialkasse. Anhand der Beispiele wird deutlich, dass das Urheberrecht permanenten Modifikationen unterworfen ist, über die man sich regelmäßig informieren sollte

Stefan Haupt (Hg.), Gerhard Pfennig: Kunst, Markt und Recht. Einführung in das Recht des Kunstschaffens und der Verwertung von Kunst. Band 7 der Berliner Bibliothek zum Urheberrecht, Verlag Medien und Recht, 2. Aufl. München 2010. Deutsch, 236 S., Softcover, 26 €. ISBN: 978-3-939438-07-6 7-2814-0

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Zeitgeist und Glamour. Photography of the 60s and 70s


Abbildung erschienen in KUNST Magazin Ausgabe März 2011

Verena Muckel

Der opulente Bildband vereint Fotografien der 60er- und 70er-Jahre aus der Sammlung Nicola Erni. Die Werke stammen aus einer Zeit, in der in den Bereichen Mode, Musik und Gesellschaft vieles infrage gestellt oder neu erfunden wurde. Den pulsierenden Geist dieser „wilden“ Jahre haben Fotografen wie David Bailey, Jeanloup Sieff, Andy Warhol, Richard Avedon und Robert Mapplethorpe festgehalten. Zugleich repräsentiert der neue Typus des Pressefotografen (Paparazzo), wie ihn Ron Galella oder Edward Quinn verkörperte, die Sucht nach Öffentlichkeit und dokumentiert den extrovertierten Lebensstil der Celebritys an den Orten des Jetset.

Nicola Erni (Hg.), Petra Giloy-Hirtz, Ira Stehmann: Zeitgeist & Glamour. Photography of the 60s and 70s. Prestel Verlag, Berlin 2011. Deutsch/englisch, 368 S., 200 farbige Abb., 200 S/W-Abb., Hardcover, 59 €. ISBN: 978-3-7913-5033-2

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Kunst ist käuflich – Freie Sicht auf den Kunstmarkt


Abbildung erschienen in KUNST Magazin Ausgabe März 2011

Kathrin Tobias

Dirk Boll, Leiter der Dependance des Auktionshauses Christie’s in Zürich, gibt dem Leser in sieben Kapiteln einen praxisorientierten Leitfaden zum Verstehen und Kaufen von Kunst an die Hand. Neben einigen grundsätzlichen Mechanismen werden rechtliche Bedingungen und Trends ebenso wie die Beschaffung und der Absatz thematisiert. Dabei steuert die Perspektive des Kenners immer wieder Innenansichten des Kunstmarktes und Definitionen gebräuchlicher Begriffe bei. Die bereits 2009 erläuterten Zusammenhänge werden in dieser überarbeiteten Neuauflage aktualisiert.

Dirk Boll: Kunst ist käuflich. Freie Sicht auf den Kunstmarkt. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2011. Deutsch, ca. 216 S., Broschur, 14,80 €. ISBN: 978-3-7757-2814-0

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Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten: Auktionen backstage


Foto: Volodymyr Vasylkiv

Foto: Volodymyr Vasylkiv

Fotolia.com, Abbildung veröffentlicht in KUNST Magazin Ausgabe März 2011.

Uta Baier

Der Hammer ist weg. Dabei heißt es doch: „Unter den Hammer kommen“, und auch der „Hammerpreis“ existiert nicht nur in der Umgangssprache. Viele Auktionatoren holen ihren Hammer allerdings nur noch aus Nostalgiegründen hervor, oder wenn das Fernsehen kommt. Auktionator Uwe Jourdan, der das Auktionshaus Nagel in Stuttgart seit 2005 als Geschäftsführer leitet, zeigt mit einer Hand auf die Bieter, mit der anderen tippt er die Zuschläge in den Computer ein. Da bleibt keine Hand frei für den guten alten Hammer. Auch beim Auktionshaus Neumeister in München, wo Geschäftsführerin Katrin Stoll am Pult sitzt, kommt kein Hammer zum Einsatz. Stoll zeigt mit dem Stift auf die Bieter und fühlt sich ein wenig wie eine Dirigentin. „Beim Versteigern geht es auch um eine nonverbale, feinsinnige Kommunikation mit dem Publikum“, sagt Stoll, die ihre erste Auktion bereits mit 22 Jahren leitete. Später übernahm sie das Auktionshaus von ihrem Vater und ermutigte Mitarbeiterinnen dazu, Auktionatorinnen zu werden – ganz ohne Frauenquote. Jetzt versteigern vier Frauen bei Neumeister. „Es wäre zu langweilig, wenn die Kunden immer nur mich sehen. Das Publikum braucht Abwechslung, andere Typen, so bleibt das Spannungsniveau erhalten“, sagt Stoll.

Der Kunsthandel wird gern als dichtes Geflecht von Finanzinteressen beschrieben. Das ist nicht falsch, denn viele wollen mitverdienen am Kunstverkauf. Und Auktionshäuser bekommen ziemlich viel ab. Das Londoner Auktionshaus Christie’s nahm nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 3,84 Milliarden Euro ein – das ist Weltspitze. Offenbar interessieren Krisen und Konjunkturflauten Kunstkäufer weniger als oft befürchtet. Auch die deutschen Auktionshäuser steigerten 2010 ihre Umsätze: Ketterer in München setzte 26 Millionen, Nagel in Stuttgart 33,1 Millionen, Lempertz in Köln 49 Millionen Euro um. Da war die Angst vor leeren Auktionssälen und unverkauften Meisterwerken, die einige Monate zuvor noch beschworen wurde, schnell wieder vergessen.

Das Auf und Ab der Stimmungen gehört offenbar zum Auktionsgeschäft wie mittlerweile auch das Internet, vor dem sich die Auktionshäuser einst so sehr fürchteten. Doch letztendlich hat das Internet die klassische Kunstauktion nur um einen  Handlungsraum erweitert. Wer nicht zur Auktion kommt, bietet nun am Telefon mit oder übers Internet. Bei Christie’s beispielsweise wurden in den vergangenen zwölf Monaten rund 28 % der Gebote übers Internet abgegeben; Bedrohung sieht anders aus. Natürlich wird so manches Objekt niemals den Weg in ein Auktionshaus finden – etwa jener Silberbecher, der in einer Internetauktion als Erbstück eines Onkels angepriesen wurde, der im Zweiten Weltkrieg die Wohnungen Pariser Juden plünderte und den Silberbecher „im allgemeinen Durcheinander“ mitnahm. Immer wieder, so berichten Rechtsanwälte und Kunstrechercheure, gibt es bei Internetauktionen ähnliche Angebote. Und immer wieder werden solche Stücke auch verkauft, obwohl ein Nicht-Eigentümer damit etwas veräußert, an dem der Käufer rechtlich niemals Eigentum erwerben kann. Auch aus Gründen der Sicherheit vertrauen viele Käufer deshalb auf die Seriosität der Auktionshäuser und ihrer Spezialisten, von denen sie annehmen, dass sie die Ware und ihre Herkunft prüfen. Vor allem in den vergangenen zehn Jahren geschieht das in der Tat immer sorgfältiger – wenn auch zum Teil gezwungenermaßen. Denn seit sich Deutschland 1998 verpflichtet hat, jüdischen Besitz, der in der Nazizeit geraubt wurde, den rechtmäßigen Eigentümern zurückzugeben, haben viele Rechercheure Werke aufgespürt, die den Verkäufern nicht gehören. Und wenn es doch in einem Auktionskatalog angeboten wird, ist ein Anwalt oft nicht weit und das Auktionshaus blamiert. Deshalb gewann die Provenienzforschung auch für die Auktionshäuser an existenzieller Bedeutung.

Während Auktionatorin Katrin Stoll die Käufer dirigiert, verhandelt Kristina Erlemann mit Bietern, die für sie während der Auktion nur Telefonnummern und Telefonstimmen haben. Die Öffentlichkeitsarbeiterin des Auktionshauses VAN HAM in Köln kümmert sich seit vier Jahren während der Auktionen um Telefonbieter. Die warten oft schon auf den Anruf. Die meisten sind nur wenig aufgeregt, kommen aus Zeitgründen nicht selbst zur Auktion oder wollen anonym bleiben. Dass bekannt wird, wer ein Kunstwerk ersteigert hat, ist sowieso eher ungewöhnlich. Vor allem wenn es um hohe Summen geht, ist der anonyme Käufer der Normalfall.

Wo viel Geld ausgegeben und verdient wird, gibt es auch viele Kritiker. Vor allem, dass der Wert eines Künstlers und seines Werkes in einer einmaligen Transaktion bestimmt wird, ist Anlass für Kritik. „Nicht die meisten Stimmen, sondern das meiste Geld bestimmt, wie teuer ein Kunstwerk wird – und das ist oft eine höchst individuelle Entscheidung“, schreibt z. B. Piroschka Dossi in ihrem kritischen, faktenreichen Buch „Hype! Kunst und Geld“. Auguste Renoir sah das anders: „Machen Sie sich klar, dass es nur einen einzigen Ort gibt, wo sich der Wert der Bilder erkennen lässt, und das ist der Auktionssaal.“ Fakt ist: Kunst ist eine Ware und auf Auktionen wird ihr Handelswert bestimmt. Und der hängt nicht allein von der Wertschätzung des Künstlers durch einzelne Fachleute ab, sondern davon, wie viele seiner Werke gehandelt werden, wie oft und wo sie ausgestellt werden und wie viel Käufer in der Vergangenheit bereit waren, für andere Werke des Künstlers zu zahlen. Kunst war und ist und bleibt ein Handels-, Luxus- und Spekulationsgut. Die einzigen Großsammler, die sich Kunst nur noch selten leisten können, sind die Museen. Denn deren Etats geben allzu wenig Spielraum für heiße Bietergefechte. Doch es gibt einen Trost: „Letztendlich“, so Christoph Becker, Direktor des Kunsthauses Zürich, „kommt doch alles ins Museum.“ Und bleibt auch dort, weshalb die Museumspforte aus Kunstmarktsicht gern als Sargdeckel bezeichnet wird.

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Talia Kenian. The mountain and the shivering fact


Abbildung erschienen in KUNST Magazin Ausgabe März 2011

Elena Sansigre

„Thalia Kenians Werke sind die Verkörperung von Potenzial, offene Möglichkeiten“, so die Kuratorin Leah Abir. Die Videos, Installationen und Zeichnungen der israelischen Künstlerin schaffen neue Welten voller Zartheit und Zauber. Kenian verleiht der kargen israelischen Landschaft und den dort lebenden Menschen in ihren Darstellungen durch ihre sensiblen Einblicke einen ganz persönlichen Touch. Ihre Arbeiten bedingen sich gegenseitig, wobei Ton und Licht eine entscheidende Rolle spielen. Musik – speziell für ihre Arbeiten geschrieben – oder eigene Tonaufnahmen werden für die Installationen bearbeitet, bis sie zu einer Gesamtkomposition verschmelzen.

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International Collectorstalk: Gilles Fuchs and Thomas Olbricht


Sammlergespräch mit Gilles Fuchs und Thomas Olbricht, 13.01.2011

Sammlergespräch mit Gilles Fuchs und Thomas Olbricht, 13.01.2011

Courtesy: me Collectors Room Berlin. Abbildung veröffentlicht in KUNST Magazin Ausgabe März 2011.

Jan Kage, Elena SansigreGerman collector Thomas Olbricht (me Collectors Room Berlin) and Gilles Fuchs, president of the Association for the International Diffusion of French Art, talked on the eve of Gallery Exchange Berlin-Paris about becoming a collector and the different ways of collecting art. This talk marks the opening of a series of international conversations with collectors that will take place at me Collectors Room in co operation with KUNST Magazin.

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Review – Aaron Curry im Schinkel Pavillon


Blick in die Ausstellung

Blick in die Ausstellung

© the artist, Courtesy of VW (VeneKlasen/Werner), Berlin. Foto: Roman März. Abbildung veröffentlicht in KUNST Magazin Ausgabe März 2011.

Tanja Dückers

Der Schinkel Pavillon ist einer der schönsten Ausstellungsräume für zeitgenössische Skulptur in Berlin. In dem rundum verglasten, heptagonalen Gebäude in versteckt-prominenter Lage im Park des Kronprinzenpalais stellt der von Nina Pohl und Stephan Landwehr geleitete gemeinnützige Verein Werke von Bildhauern aus, die sich auf die Besonderheiten des faszinierenden Ortes einlassen. Von den bis zum Boden reichenden Fenstern kann man mit Fernsehturm, Unter den Linden, Berliner Dom und Schinkels ehemaliger Bauakademie eine ebenso mondäne wie geschichtsträchtige Kulisse erblicken, gleichzeitig vermittelt die Lage im Park ein Gefühl von zeitloser Abgeschiedenheit. Mit „Aaron Curry“ ist dem Schinkel Pavillon eine spektakuläre Show gelungen. Curry, Jahrgang 1972, aus Los Angeles stammend, war Stipendiat der American Academy in Berlin und hat in dieser Zeit ein raumgreifendes Environment geschaffen, das perfekt mit den örtlichen Gegebenheiten in Korrespondenz tritt: Von Curry kennt man biomorphe, an Hans Arp oder an Henry Moore erinnernde Formwesen, die eine Transformation zum Cartoonhaften durchgemacht haben. Ob auf der KölnSkulptur 5 (hier ist derzeit Currys Beitrag „Purple Cloud“ zu sehen) oder in Hannover bei „Bad Dimension“, Currys erster musealen Einzelausstellung in Deutschland: wie Charaktere eines futuristischen Kasperletheaters scheinen seine Figuren durch die Ausstellungsräume zu moonwalken. Curry spielt dabei mit kunsthistorischen und mit populärkulturellen Referenzen. Oft fast so flach wie Giacometti-Figuren, beinahe zweidimensional, deuten sie stets den Raum nur an, den sie subtil beherrschen – wie Denkfiguren oder Gedankenblitze. Auch in seiner Arbeit für den Schinkel Pavillon spielt Curry bewusst mit Zwei- und Dreidimensionalität, mit der Beziehung von Zeichnung zu Skulptur, von Ebene zu Volumen – und dies in einem Raum mit sehr dominanter, ungewöhnlicher Form: einem Siebeneck mit klaren, harten Linien. Dem Heptagon des Pavillons setzt Curry eine hinreißend fluide Form entgegen, die den kantigen Raum liebestoll auszutanzen scheint: Glänzende grüne und lilafarbene Metallverstrebungen in geschwungener Form – wie eine Material gewordene Leuchtspur, eine in der Luft geronnene Krakelei aus der Spraydose – füllen spinnenhaft fast den gesamten Innenraum des neo-neo-klassizistischen Baus (der Pavillon wurde 1969 erbaut). In den Verstrebungen der Pop-Spinne baumeln sechs verschiedene floral-animalische Gestalten, flache Pappbrüder, die in ihrer Uneindeutigkeit und Larvenhaftigkeit einen weiteren visuellen Kontrapunkt zur finalen Strenge des Raums setzen. Gemalte Wassertropfen auf der Oberfläche der biomorphen Fabelwesen lassen den Park des Kronprinzenpalais noch näher rücken, betonen das fluid-bewegliche Element der Installation. Grün-lila schimmert die Gegenwelt, das Andersweltliche, leuchtet der Moment – noch bis zum 17.4. festgehalten im Schinkel Pavillon –, eine glitzernde Gedankenspur, die für ein paar Wochen Los Angeles und Berlin miteinander verbindet.

 

 

Aaron Curry
Schinkel Pavillon
Oberwallstr. 1, 10117 Berlin-Mitte
bis 17.4., Do–So 12–18h
www.schinkelpavillon.de

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