Reise nach Jerusalem

Zehn in Berlin lebende Künstler aus sieben Ländern setzten sich für die Ausstellung „Reise nach Jerusalem“ im Kunstraum Kreuzberg / Bethanien mit der eigenen Religion auseinander. Die Ausstellung vermittelt die allgegenwärtige Gleichzeitigkeit der drei größten monotheistischen Religionen Islam, Christentum und Judentum, die in Jerusalem aufeinander treffen, nach Berlin. Der Kunstraum wird zum religiös-künstlerischen Kulminationspunkt.

Die Reise ist in diesem Zusammenhang als individuelle Erfahrung zu verstehen. Die Künstler stellen ihre Ursprünge in Frage. Dementsprechend wird keine repräsentative Darstellung der drei Religionen angestrebt oder ein Versuch, ihre vielfältigen Aspekte verständlicher zu machen. Vielmehr erfährt der Besucher sehr intime Einblicke in die individuelle künstlerische Wahrnehmung der jeweiligen Religion der vertretenen Künstler. Die in ihrer Gesamtheit sehr unterschiedlichen Werke sind in Form von Malerei, Installationen, Collagen, Objekt- und Videokunst vertreten.

Die Positionen zeigen sich friedlich, irritierend distanziert und teilweise provokativ. In den Räumen des ehemaligen Krankenhauses bestehen die persönlichen Religionen nebeneinander. Viele Werke sind atmosphärisch sehr dicht, wie z.B. Stevie Hanleys raumgreifende Collage „From One Cave Looking Into Another“, die in feinster Detailarbeit aus Fotografien und Zeitungsausschnitten gearbeitet wurde. Der in den USA geborene Künstler und Kurator ist bei einer mormonischen Familie aufgewachsen. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen christlichen Zeremonien bestimmt sein Werk. Er setzt religiöse Rituale in einen neuen, kritischen Kontext: Hanley inszeniert die zum Teil  pietätvollen Themen auf großformatigen Leinwänden mit so profanen Materialien wie Kaffee und Tusche.

Zohar Fraimann hingegen entwickelt mit ihrer figurativen Malerei eine rasch zugängliche Narrativität. Die Werke besitzen eine Kraft, der man sich manchmal gerne entziehen möchte. Die großformatige Arbeit „Rape“ – eine Vergewaltigungsdarstellung eines jungen Mädchens – bedrückt durch Größe und Sujet. Die Rolle der Frau, das Bestehen und Brechen von Tradition sind zentrale Themen der israelischen Künstlerin. Die Konflikte bettet sie in den intimsten Lebenskreis des Menschen – die Familie und das häusliche Leben.

Die Ausstellung wird im Dezember diesen Jahres in Anwesenheit der Künstler und Künstlerinnen im Artist`s House in Jerusalem eröffnet. In Berlin ist sie noch bis zum 19. August im Kunstraum Kreuzberg / Bethanien täglich ab 12 bis 19h zu sehen. Der Eintritt ist frei.

 

 

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