
Monika Grzymala RAUMZEICHNUNG (Bass), 2012 Installation View, Galerie Crone Berlin Courtesy: Monika Grzymala und Galerie Crone / Photo Credit: Marcus Schneider
Monika Grzymala wirkt zierlich und klein neben ihrer gigantischen „Raumzeichnung“, die aktuell in der Galerie Crone in Berlin zu sehen ist. Aus rund 5 Kilometer langem schwarzen Klebeband hat die Künstlerin eine ephemere Skulptur entwickelt, die an das feingliedrige Netz einer Spinne erinnert.
Ihre zeichnerischen Arbeiten seien „von der Hand geführtes Denken“, erklärt uns die Künstlerin im Gespräch, und vergleicht sie mit eingefrorenen Tintenlinien. Linien, die sich aus der Zweidimensionalität des Skizzenblocks auf die dreidimensionale Ebene erweitern – um dort mit der Zeit letztlich wieder in ihre flachen Einzelteile zu zerfallen.
Aus Liebe zur Linie
Die Spannung zwischen Zwei- und Dreidimensionalität ist seit vielen Jahren das zentrale Thema im Schaffen der 1970 in Polen geborenen Künstlerin. Nach einer Ausbildung zur Steinbildhauerin und Restauratorin studierte sie Bildende Kunst an den Kunsthochschulen in Karlsruhe, Kassel und Hamburg. Doch die Liebe zur Linie wurde immer stärker: Ganze Skizzenblöcke füllte Grzymala, bevor sie auf Tische und Wände ihres Ateliers auswich, endlose Linienschlangen produzierend. Auf der Suche nach einem Weg, das Plastische in ihre Arbeit zurückzuholen, war der Griff zum Klebeband nur konsequent.
Zehn Tage dauerte es, bis die Raumzeichnung fertig gestellt war, die jetzt die gesamte untere Etage der Berliner Galerie einnimmt und wohl in jedem Besucher den unbändigen Wunsch erweckt, das erstaunliche Konstrukt zu berühren. Grzymala arbeitet stets ohne Assistenten, nur ausgestattet mit Hebebühne und Leitern. Denn wie soll man einer weiteren Person Zugang gewähren in den eigenen Kopf, in dem die filigranen Strukturen der Papierskulpturen entstehen und sich im Verlauf des Arbeitsprozesses weiterentwickeln?

Monika Grzymala, "Aerial (from the series making paper)", Arbeiten in und mit handgeschöpften Papier aus Maulbeerfaser, Galerie Crone First Floor, Photo Credit: Marcus Schneider
Wie ein langsamer pas de deux
Auch bei der Produktion der bis zu 2 x 3 Meter großen Faserzeichnungen, die in der oberen Etage der Ausstellung zu sehen sind, wurde keine fremde Hilfe benötigt, betont die Künstlerin. Als sie kein Papier fand, das ihren Wünschen entsprach, lernte sie eben selbst, Papier zu schöpfen. Der langwierige Prozess eröffnete ihr so die Möglichkeit, die Entstehung ihrer Arbeiten bis ins letzte Detail zu verfolgen und mitzubestimmen.
Das nimmt mitunter mehrere Stunden in Anspruch: „Man sagt zwar, Papier sei geduldig – doch es hat auch ein besonderes Eigenleben“, so Grzymala. Die Produktion einer Faserzeichnung sei jedes Mal ein „langsamer pas de deux“, der ihr viel Geduld abringt. So erklärt sich auch die ambivalente Wirkung ihrer Arbeit:, Die pechschwarze Raumzeichnung strahlt zwar eine angenehme Ruhe aus,, vermittelt aber dennoch den Eindruck eines übergroßen Spinnennetzes, das nur darauf lauert, seine Beute in die klebrige Falle tappen zu lassen.
Die Ausstellung „Aerial“ von Monika Grzymala ist noch bis zum 17. März 2012 in der Galerie Crone, Rudi-Dutschke-Straße 26, 10969 Berlin zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr.







