The shape of Things to come

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Folkert de Jong, Seht der Mensch; The Shooting Lessong, 2007 / Foto: Julia Schmitz

„The Shape of Things to come: New Sculpture“ war die Ausstellung betitelt, die bis zum vergangenen Wochenende in der Saatchi Gallery in London zu sehen war. Mit Arbeiten von 20 internationalen Künstlern wurde versucht, eine Bestandsaufnahme der zeitgenössischen Skulptur sowie eine Prognose über deren Entwicklung vorzunehmen.

Der Titel „The Shape of Things to come“ wurde zu diesem Zweck dem 1933 erschienenen gleichnamigen Roman von H.G. Wells entlehnt, welcher im Jahr 2106 spielt und aus der Zukunftsperspektive einen sezierenden Rückblick auf die damaligen Zeitumstände des Autors wirft, sowie Schätzungen über die weitere Entwicklung vornimmt. Diesem Konzept folgt auch die Ausstellung in der Londoner Galerie: Wie steht es um die Skulptur in unserer Zeit? Wie wird sich die Definition dieser Gattung in den kommenden Jahrzehnten verändern?

Wer die perfekt ausgeleuchteten Räumlichkeiten im Südwesten der Stadt betritt, sieht sich zunächst einer wahllos erscheinenden Auswahl an großen Steinbrocken gegenübergestellt. Unter dem Titel „Summit“ hat Kris Martin gefundene Steine zusammengetragen – auch wenn nicht ganz klar wird, wie man Steine dieser Größenordnung zufällig findet – und mit einem kleinen Bergsteigerkreuz versehen. Mehr wie rohes, noch unbearbeitetes Material denn fertige Skulpturen wirken die Findlinge, die auch etwas verloren in dem großen Raum wirken.

Pferdehaare, Blut und Schleim

Auch die Arbeiten von Peter Buggenhout weisen nur bedingt gegenständliche Züge auf: In seinen Skulpturen finden sich laut Text Pferdehaare, Blut, Polyester als auch Eisen und Aluminium zu einer formlosen Masse aufgeschichtet, eine weitere Skulptur scheint komplett aus verklebtem, schwarzem Hausstaub zu bestehen. Die Figuren von Rebecca Warren weisen da schon eher Bezugspunkte auf. Ihre aus ungebranntem Ton hergestellten Plastiken sind als überdurchschnittlich proportionierte Frauenkörper zu erkennen, die mit unförmigen Beinen, großen Brüsten und provozierend hervorgehobener Weiblichkeit durch den Raum zu stolzieren scheinen. Weniger subtil sexualisiert gestaltet sich die Arbeit von David Altmejd, der für “The Healers” fragmentarisch gebliebene Körper in Neonfarben zu einer verworrenen Orgie arrangiert hat.

An das klassische Verständnis der Skulptur nähern sich in der Ausstellung nur wenige Künstler an, darunter der aus den Niederlanden stammende Folkert de Jong. Die Figuren seiner Skulpturen-Installation „The Dance“ wirken wie ein makabrer Tanz von mit Öl begossenen Akteuren eines historischen Theaterstück Shakespeares: Der Blick irr und ins Leere gerichtet, wirken die Figuren wie rosa verzierte Untote.

Animalisch und unförmig

Wenig lebendig wirken auch die Skulpturen von Berlinde de Bruyckere, die in der Ausstellung unter anderem mit zwei surrealistisch anmutenden ausgestopften Pferden vertreten ist. Augen, Ohren und Nüstern sind bei dem Tier jedoch nicht vorhanden, was bei der näheren Betrachtung der Objekte einen leichten Gruselschauer im Betrachter auslöst. Verstärkt wird dieser bei einem Blick auf die, ebenfalls von Bruyckere geschaffenen Skulptur „Methe“: Ein mit weiblichen Zügen ausgestatteter Körper aus Wachs, dessen obere Gliedmaßen sich in schleimig wirkende Tentakel auflösen.

Es ist nicht schwer zu behaupten, dass die Ausstellung „The Shape of Things to come“ einen beeindruckenden, wenn auch kleinen und nicht auf Vollständigkeit pochenden Überblick über die zeitgenössische Skulptur bietet. Sollten die dort gezeigten Arbeiten jedoch tatsächlich einen Ausblick auf die veränderte Definition der Gattung in der nahen und fernen Zukunft bieten, so dürfen wir uns auf einiges gefasst machen.

Am 18. November 2011 wird die neue Ausstellung “Gesamtkunstwerk: New Art from Germany” eröffnet, die im Anschluss bis zum 30. April 2012 zu sehen ist.


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