
Ausstellungsansichten Berlin 2010 Dina Shenhav: The End of the Forest, 2008 © Marcus Lieberenz
Bei Franz von Assisi, dem vielleicht ersten Ökologen der überlieferten Geschichte, taucht zum ersten Mal um 1225 im Sonnengesang der Begriff der Nachhaltigkeit auf: „per lo quale a le tue creature dai sutentamento.“ („… durch welche du deinen Geschöpfen Halt/Unterhalt/Nachhalt gibst“). Bei Joachim Heinrich Campe, dem Lehrer von Alexander v. Humboldt, meint Nachhaltigkeit das, „woran man sich hält, wenn alles andere nicht mehr hält“ (Wörterbuch der deutschen Sprache, 1809).
Für Albert Schweitzer war Nachhaltigkeit die Fähigkeit, vorauszublicken und vorzusorgen. Noch simpler bringen es die Forstleute seit 300 Jahren mit folgendem Prinzip auf den Punkt: „Nicht mehr Holz fällen, als nachwächst.“ Ulrich Grober, Verfasser von “Entdeckung der Nachhaltigkeit: Kulturgeschichte eines Begriffs” (2010), nennt sie „unser ursprünglichstes Weltkulturerbe“. Was tun aber mit diesem Begriff, der in den letzten Jahren zu einem nichtssagenden, verwaschenen, ja: vernutzten Label geworden ist und dessen Missbrauch deshalb nicht dazu einlädt, Nachhaltigkeit als einen kulturellen und eben nicht als technokratischen Ansatz zu verstehen?
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