
Christian Boltanski: The Work People of Halifax, 1995, Blechdosen, etikettiert, 1 Buch. Installationsgröße und Anzahl der Dosen sind variabel (insgesamt ca. 3800 Stück), je 30 x 20 x 20 cm (HxBxL). Courtesy Christian Boltanski and Kewenig Galerie, Cologne. Foto: Simon Vogel, Köln. VG Bild-Kunst Bonn 2011. Erschienen in KUNST Magazin KMB1112.
Wie jedes Presseerzeugnis wird auch das KUNST Magazin in der deutschen Nationalbibliothek archiviert. Während Nathalie Vranken im Sammlergespräch überlegt, welche Kunst in den kommenden Jahrzehnten noch Bestand haben wird, welche sich durchgesetzt hat, welche in Vergessenheit geraten ist, fragen wir uns insgeheim, wer in 50 Jahren das KUNST Magazin aus dem Jahr 2011 lesen wird. So gesehen sind Archive nicht nur vergangenheitslastige, mit wenig schmeichelhaftem Neonlicht ausgeleuchtete staubtrockene Flure, sondern Räume, die einen Blick in die Zukunft gewähren.
In der Kunstwissenschaft sind Bildarchive von elementarer Wichtigkeit. Dr. Martin Warnke vom „Institut für Kultur und Ästhetik digitaler Medien“ der Leuphana-Universität Lüneburg stellt zum 10-jährigen Jubiläum der interdisziplinären Bilddatenbank „prometheus“ die an Aby Warburgs berühmten „Mnemosyne-Atlas“ angelehnte Methode eines digitalen Zettelkastens vor, mit dem Bildmotive digital vernetzt werden können.
Wenn die Psychoanalyse in die Archive der Seele blickt und dort einen Drang zum Ansammeln und Horten entdeckt, wird erst mal Verlustangst diagnostiziert. Dieses Phänomen ist ein wichtiger Motor für das Kunstschaffen Christian Boltanskis: Sein hermetisches Archiv aus rostigen Blechkisten, das auf unserer Titelseite gelandet ist, scheint verschlossen und nicht mehr in der Lage, seine Informationen preiszugeben.
Zur Vorbereitung der meisten musealen Ausstellungen gehört der obligatorische Gang ins Archiv. Aber was tun, wenn dort nichts zu finden ist? Die Schwierigkeit, vergessene Biografien von Künstlerinnen zu rekonstruieren, erläutert im Galerieprofil des Verborgenen Museums Berlin die Chefkuratorin Marion Beckers.
Vergrößert wurde am 15.11. auch wieder die eine oder andere private Kunstsammlung: Die große Benefizauktion zugunsten der Stiftung Telefonseelsorge übertraf den Erfolg vom letzten Jahr – unser Dank gilt vor allem den Künstlern, die so großzügig ihre Werke für diesen Zweck gestiftet haben.
Ihre KUNST Magazin Redaktion
von: Julika Nehb