Tschernobyl. Expeditionen in ein verlorenes Land

Kampagnenmotiv: Frau aus Polissja, 1994-99 © Städtische Museen Freiburg, Museum für Ethnographie und Kunsthandwerk, Lviv

„Nie wieder Tschernobyl“ ziert die Banner der Atomkraftgegner. Der Name der ukrainischen Stadt hat sich in den 25 Jahren nach dem Reaktorunfall in unser Gedächtnis eingebrannt –als Synonym für den GAU und für Zerstörung. Doch was war vor 1986? Welche Menschen lebten in der Region rund um Tschernobyl? Die Ausstellung “Tschernobyl. Expeditionen in ein verlorenes Land” im Augustinermuseum in Freiburg widmet sich diesen Fragen.

Der Reaktorunfall im April 1986 war die größte Katastrophe in der Geschichte der Kernenergie-Nutzung, doch sie war nicht nur ein ökologisches Unglück. Der Unfall löschte die Entwicklung der Kultur einer ganzen Region unwiderruflich aus. Bis heute ist der Landstrich rund um Tschernobyl unbewohnbar, gleicht einer bizarren Geisterstadt: entvölkert und von Verfall geprägt.

Die Stadt inmitten der Region Polissja war bis zum zweiten Weltkrieg ein klassisches jüdisches Schtetl und ist selbst heute noch für viele ein heiliger Ort. Unterschiedliche Nationalitäten und Glaubensgemeinschaften lebten hier lange Zeit zusammen und prägten die Kulturlandschaft dieser Gegend. Die Ausstellung zeigt die Lebensgeschichten der ukrainischen Bauern und veranschaulicht die Kultur der jüdischen Minderheit, die durch Handel, Handwerk und ihre religiöse Identität geprägt war. Alltagsgegenstände, rituelle Objekte, historische Fotografien, Filme und Interviews bieten einen intensiven Einblick in das facettenreiche Leben vor dem GAU.

Die Ausstellung ist noch bis zum 18. Dezember 2012 im Augustinermuseum in Freiburg zu sehen. Öffentliche Führungen finden donnerstags um 15 Uhr und sonntags um 10.30 Uhr statt. Am 11. Februar und am 10. März werden um 15 Uhr Führungen in russischer bzw. ukrainischer Sprache angeboten. Das Augustinermuseum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt kostet 7 Euro, ermäßigt 5 Euro. Unter 18 Jahren und mit Museumspass ist der Eintritt frei.

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