Virtueller Wochenrückblick

Foto: Julia Schmitz

Fragen, mit denen wir uns diese Woche beschäftigt haben: Erleiden wir in Deutschland gerade eine Art “Kulturinfarkt”? Warum können Urheberrecht und Pressefreiheit nicht glücklich zusammenleben? Und wieso findet in einer weltoffenen Stadt wie Berlin eine internationale Projektschmiede keinen Platz?

Wenn zwei Autoren daher kommen und in einer radikalen Streitschrift behaupten, Deutschland erleide bald einen “Kulturinfarkt” und man könne gut und gerne die Hälfte aller Kulturinstitutionen einen Schlußstrich ziehen, dann löst das zunächst den altbekannten Angstreflex aus – dabei sei in dem Buch einiges zutreffend, schreibt ZEIT Online. Der Kulturbetrieb sei reformunfähig, zahlreiche Einrichtungen und Stiftungen verfolgen gar keinen eigentlichen kulturellen Zweck.

Etwas kritischer wird die Publikation von Oliver Scheytt und Norbert Sievers auf dem Blog der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V. betrachtet: Das Buch wolle eindeutig provozieren, okay, aber warum müsse man im gleichen Zuge alle kulturellen Errungenschaften der letzten Jahre diffamieren? Die Autoren schrieben zu polemisch, heißt es weiter: “Warum springen sie wie Kai aus der Kiste in die Diskurslandschaft, um den Ewiggestrigen – und man hat den Eindruck, das sind fast alle, außer eben sie selbst – die Leviten zu lesen und den kulturstaatsautoritären Kulturpolitikern zu zeigen, wo es lang geht?”

Auch Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler zeigt sich im Deutschlandfunk wenig erfreut über den Rundumschlag der Autoren. Die Fragen, die in dem Buch aufgeworfen würden, wären keineswegs neu, sondern begleiteten den Kulturbetrieb schon seit 30 oder 40 Jahren. Viel wichtiger wäre es ihrer Meinung nach gewesen, zu fragen, wie man in der Praxis damit umgeht, wenn man wirklich etwas ändern möchte.

Pressefreiheit vs. Knebelverträge

Leider sind Knebelverträge für Journalisten nicht selten an der Tagesordnung, wenn es um die Rechte an Fotografien geht. Für gewöhnlich kamen unschöne Berichte dieser Art aus der (versuchten) Zusammenarbeit mit Musikunternehmen – doch in der Kunstszene scheint es nicht anders vonstatten zu gehen, musste nun auch das Monopol Magazin feststellen.

Die widmeten in ihrer April-Ausgabe ihre Cover-Story dem britischen Künstler Damien Hirst, dem eine große Ausstellung in der Tate Modern in London gewidmet ist. Doch dass die Plätze, die eigentlich für Fotografien der Werke gedacht waren, nun leer bleiben müssen, geht auf die Kappe des Studios des Künstlers – als die Monopol-Redaktion sich weigerte, den Artikel vorab dem Künstler zur Freigabe vorzulegen, verweigerte dieser wiederum den Abdruck seiner Bilder. Das Ganze wirkt etwas absurd, findet auch die Süddeutsche Zeitung, die fragt: “Wie kann Kunst, die von einer öffentlichen Institution ausgestellt wird, der Berichterstattung vorenthalten werden?”

Großstadt vs. Kleingeist

Und dann wäre da noch das geplante BMW Guggenheim Lab, welches in dieser Woche ebenfalls für erhitzte Gemüter sorgte. Eigentlich sollte dieses auf einer Brachfläche an der Spree in Berlin-Kreuzberg stattfinden. Doch Anwohner beschwerten sich, Akteure aus der linken Szene, heißt es, drohten den Organisatoren – und da gab man lieber klein bei und gab die favorisierte Location auf. “Ausgerechnet Kreuzberg lehnt die Aktion ab”, mit der Begründung, das Lab würde zur Gentrifizierung beitragen – obwohl es genau diese Problematik in seinen Diskussionsrunden thematisieren wollte, wundert sich der thailändische Aktionskünstler Rirkrit Tiravanija im Tagesspiegel.

Auch wenn die Proteste gegen das Projekt für viele nicht nachvollziehbar sind, so haben sie doch den Vorteil, die Bevölkerung weitläufig in die Diskussion mit einzubeziehen. Bereits kurz nach Bekanntgabe des Standortwechsels meldeten sich zahlreiche private Initiativen und Bürger, die dem Lab ihr Grundstück zur Verfügung stellen wollen, las man im Hamburger Abendblatt.

Natürlich teilen sich die Lager nicht ausschließlich in Befürworter und Gegner des Guggenheim Labs. So betrachtet art-in-berlin die Drohungen für “völlig indiskutabel”, weißt aber ebenso darauf hin, dass eine von einem Großunternehmen mit aufwändigen PR- und Marketinmaßnahmen ausgeklügelte “innovative Ideenschmiede” durchaus kritisch zu betrachten ist.

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