Virtueller Wochenrückblick

Die Occupy-Aktivisten haben die Berlin Biennale "eingenommen" / Foto: Julia Schmitz

Der April ist der Monat, in welchem ein Kunst-Highlight das andere jagt: ART COLOGNE, Berlin Biennale und Gallery Weekend reihen sich fast nahtlos aneinander. Was die Resonanz zu den einzelnen Veranstaltungen angeht, ist die Stimmung allerdings zwiegespalten.

“Occupy geht immer” schreibt die Süddeutsche Zeitung anlässlich der 7. Berlin Biennale, die am Donnerstagabend unter anderem im KW Institute for Contemporary Art in Mitte vonstatten ging. Die Biennale wolle politische Wahrheiten enthüllen, jedoch erwiesen sich die meisten Positionen als reine Provokation und pathetischer Kitsch. Auch beim Tagesspiegel ist man nicht so richtig überzeugt von dem Konzept, welches Kurator Zmijewski entwickelt hat: Beim Anblick des provisorischen Lagers internationaler Occupy-Aktivisten im White Cube der KW habe man als Besucher das Gefühl “dass hier ein eher rührendes Stück aufgeführt wird”. Dass Fazit der Autorin ist eher ernüchternd: “Das Beste, was man von der siebten Biennale sagen kann: Sie ist in dem Versuch, die Kunst zu ermächtigen, grandios gescheitert”. Eine lesenswerte und kritische Zusammenfassung fanden wir außerdem bei Michael Bienert auf dem Blog “Texte der Stadt“.

Eindeutig euphorischer gestaltet sich da die Berichterstattung zur 46. Ausgabe der ART COLOGNE – auf der auch das KUNST Magazin zugegen war – die Messe sei wieder “Deutschlands Nummer Eins”, schreibt das Handelsblatt, auch wenn man dies nicht erst in diesem Jahr erkennen konnte. Auch der Kölner Stadt-Anzeiger denkt ähnlich: “Eine Messe wie ein Popkonzert”, zu der rund 60.000 Besucher kamen und Umsätze in Millionenhöhe getätigt wurden, heißt es dort. Und in der Tat ließen die ellenlangen Besucherschlangen an der Kasse am Wochenende vermuten, man sei hier nicht auf einer Kunstmesse, sondern bei dem öffentlichen Auftritt eines Popsternchens gelandet…

Elf Sekunden für die Kunst

Eine Studie von Martin Tröndle könnte die Kunstwelt erschüttern: Er untersuchte 500 Museumsbesucher in Bezug auf ihre Reaktionen auf Kunstwerke, schreibt ZEIT Online. Elf Sekunden, also drei Atemzüge lang, heißt es dort, verbringt der durchschnittliche Besucher vor einem Kunstwerk, bis er sich die erste Meinung gebildet hat. Auch machten die Betrachter keine Unterschiede zwischen Gattungen, Stilen oder Epochen, zögen nicht – wie lange gedacht – die figurative der abstrakten Kunst oder Klassiker unbekannten Werken vor.

Mehr als elf Sekunden pro Kunstwerk dürfte man sich an diesem Wochenende theoretisch auch gar nicht gönnen, wollte man das Gallery Weekend in Berlin in seiner Gesamtheit erfassen. Weil das bei 51 teilnehmenden Galerien und zahlreichen spannenden Satelliten-Ausstellungen überhaupt viel zu anstrengend wäre, lohnt es sich, eine Vorauswahl zu treffen. Die fanden wir zum Beispiel bei Finding Berlin (verfasst von unserem monatlichen Gast-Autor Matthias Planitzer) oder auf dem Portal von Art in Berlin. Diese können zumindest ein kleiner Leitfaden sein, um im Wirrwarr der Vernissagen und Parties nicht hilflos unterzugehen…

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