Von Künstlernachlässen und ihren Verwaltern

Die Verwalter von Künstlernachlässen gelangen zumeist nur dann in die weitreichende Öffentlichkeit, wenn sie in einen juristischen Streit mit den Erben verwickelt sind – man denke an Max Brod und die Manuskripte von Franz Kafka. Dass es auch Fälle gibt, in denen die Übergaben ohne Zwietracht vonstatten gingen und Nachlassverwalter mit wahrem Herzblut bei der Sache waren, zeigt eine Publikation, die kürzlich vom Arbeitskreis selbstständiger Kultur-Institute e.V. herausgegeben wurde.

In dem Buch “Special Delivery. Von Künstlernachlässen und ihren Verwaltern” wird anhand von zwölf Nachlässen und einem “Vorlass” illustriert, auf wie viele verschiedenen Arten ein Nachlass gehandhabt werden kann. Der Sohn des bedeutenden Malers Lovis Corinth zum Beispiel, Thomas Corinth, erschwerte den Ankauf des vollständigen Nachlasses seines Vaters durch das Archiv der Bildenden Kunst, indem er sich nach jeder Geldübergabe mit neuen, angeblich plötzlich aufgetauchten Dokumenten an das Archiv wandte. Da Corinth Junior im Zuge der Verhandlungen plötzlich verstarb, ist bis heute nicht geklärt, ob alle Unterlagen aufgekauft wurden.

Als Beispiel einer Nachlassverwalterin, die mit vollem Herzblut bei der Sache war und ist, gilt dagegen Gisela Zoch-Westphal, die das literarische Erbe der 1975 verstorbenen Autorin Mascha Kaléko hütet. Im Laufe der Jahre wurde Zoch-Westphal, die eng mit der Lyrikerin befreundet gewesen war, darüber hinaus zur Editorin, Biografin und PR-Managerin der von Kaléko akribisch sortierten Dokumente.

Mit vollem Herzblut hat auch Helene Weigel das literarische Erbe ihres Mannes Bertold Brecht verteidigt: Gegen das DDR-Regime unter anderem, welches auch im kulturellen Bereich als einzige das Sagen haben wollte. Doch Weigel blieb standhaft und bewirkte, dass die Dramen und Texte Brechts sowohl im westdeutschen Suhrkamp Verlag als auch im ostdeutschen Aufbau Verlag erscheinen durften, ohne durch rigorose Zensur beschnitten zu werden. Nicht selten bestätigt die ansprechend gestaltete Publikation so das Sprichwort: “Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau”.

Special Delivery. Von Künstlernachlässen und ihren Verwaltern. Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute, Bonn 2011. Broschiert, 232 Seiten mit zahlr. s/w und farb. Abb., 14,90 Euro, im Schmuckkarton 16,90 Euro. ISBN 978-3930370283
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