Zeitgenössische Kunst in Indonesien – eine Reise wert

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Jakarta Biennale 09 – Kuswidananto aka Jompet: Java’s Machine:

Jakarta Biennale 09 – Kuswidananto aka Jompet: Java’s Machine:

Phantasmagoria, 2008–2009, kinetic multimedia installation comprising video, recycled electronic devices, drums, resin and video projection, variable imensions. Courtesy of Jakarta Biennale 09, Photographer: M. Revaldi
Abbildung erschienen im KUNST Magazi

Katerina Valdivia Bruch

Von Indonesien kennen viele nur die Insel Bali, das beliebte Reiseziel. Auf dem weltgrößten Archipel bildet sich seit einigen Jahren eine interessante Szene für zeitgenössische Kunst. Ein kurzer Reisebericht der freien Kuratorin Katerina Valdivia Bruch.

Fast 350 Jahre lang war Indonesien eine niederländische Kolonie. 1949 kam die sozialistische Regierung Sukarnos an die Macht, gefolgt von 32 Jahren faschistischer Diktatur Suhartos, die bis 1998 dauerte. Seit 2004 erlebt Indonesien seine ersten demokratischen Jahre. Die zeitgenössische Kunstszene wird von der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung des Landes beeinflusst und
ist in Yogyakarta, Bandung und der Hauptstadt Jakarta am stärksten vertreten.

Bisher ohne jegliche staatliche Unterstützung organisierten sich Künstler in Künstlerinitiativen, die für Bildung, Orte für Recherche, Ausstellungen und den Austausch unter den Künstlern sorgen. Die erste und inzwischen etablierteste Künstlerinitiative ist Cemeti Art House. Sie wurde 1988 von den Künstlern Mella Jaarsma und Nindityo Adipurnomo in Yogyakarta gegründet. Neben Ausstellungen, Artist Talks, Buchpräsentationen und Konferenzen werden dreimonatige Residenzprogramme für Künstler aus Indonesien und den Niederlanden angeboten. Eine Mischung aus Kunst und gesellschaftskritischer Auseinandersetzung findet man bei Ruangrupa in Jakarta, wo überwiegend Kunst im öffentlichen Raum praktiziert wird, die auf der Straße, aber auch in spießigen Malls zu erleben ist. Ein Ort für Kunst mit einem multidisziplinären Programm ist der Selasar Sunaryo Art Space, gegründet vom berühmten Künstler Sunaryo in Bandung.

Kunstgeschichte ist in Indonesien kaum präsent, eher setzen sich die Künstler mit der Geschichte ihres Landes auseinander. Künstler fungieren als Informationsvermittler. Die neuesten Trends der Kunst finden sie im Internet und werden in Blogs und Facebook-Profilen vermittelt und diskutiert. Fremdeinflüsse stammen überwiegend aus China und sind sehr vom Markt geprägt. Indonesische Kunst besteht aus einer Mischung von traditionellen und zeitgenössischen Elementen. Es ist überwiegend Malerei zu sehen, man begegnet aber auch vielen Arbeiten mit einem starken performativen Charakter.

Kuratoren sind in dieser gemischten Szene unglaublich wichtig und bestimmen folglich den Erfolg der Ausstellungen. Gute Galerien beschäftigen oft mehrere KuratorInnen, meistens ehemalige Kunstkritiker. Chief Curator von Selasar Sunaryo Art Space ist der junge Agung Hutjatnikajennong, der die diesjährige Jakarta Biennale kuratiert hat. „Fluid Zones“ ist eine gelungene Ausstellung über junge Kunst und thematisiert unter anderem den Handel und Austausch in der südostasiatischen Region.

Zu sehen war die Installation „Mellow“ von Iswanto Hartono, die das Thema der Biennale exemplifiziert und die Region Südostasiens zugleich als Ort des Handels und auch als Ort der politischen Korruption und Machtverhältnisse darstellt. Oder auch die Arbeiten von Eko Nugroho, der bereits in 2005 im Haus der Kulturen der Welt ausgestellt und im Wrangelkiez seine künstlerischen Spuren auf einer Wand hinterlassen hat. Der in Yogyakarta lebende Künstler fasziniert mit seinen Arbeiten; eine politisch-humorvolle Kombination aus Comics, Graffiti, Skulpturen, Zeichnungen, Stickerei, Video und neulich einer Neuinterpretation des Wayang, des traditionellen Schattenspiels. Ebenfalls aus Yogyakarta stammt Kuswidananto aka Jompet, der mit „Java’s Machine: Phantasmagoria“ zur Yokohama Triennale eingeladen wurde. Die Arbeit ist ein hervorragendes Beispiel von Multidisziplinarität und verbindet Video, Sound-Art und Performance. Die höchst interpretationsreiche Installation, die javanische Soldaten als Gespenster porträtiert, ist eine Einladung zur kritischen Auseinandersetzung mit der indonesischen Geschichte.

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