
Philippe Parreno: Opening Shot, 2011, Tusche auf zwei Blatt Zeichenpapier, insgesamt 21 x 58,5 cm, Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Foto: Hans-Georg Gaul
Vom 10. Juni bis zum 30. September 2012 zeigt die Fondation Beyeler den französischen Künstler Philippe Parreno. In der medienübergreifenden Ausstellung werden zwei neue Videoarbeiten, Soundinstallationen und Auszüge aus den Videos in Form von Zeichnungen und Texten präsentiert.
Im Mittelpunkt der Inszenierung stehen die beiden Filme „Continuously Habitable Zones aka C.H.Z.“ (2011) und „Marilyn“ (2012). Im ersten Video zeigt der Künstler eine Landschaft in Portugal mit rein schwarzer Vegetation, die er gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekten Bas Smets geschaffen hat. Der Filmtitel ist an den gleichnamigen Begriff aus der Astrobiologie angelehnt, der Planeten mit so genannten Zwergsonnensystemen bezeichnet. Diese Zwergsonnensysteme ermöglichen erst die Entstehung von Leben. Die Wissenschaft trifft hierbei auf die Fiktion der Landschaft und sie werden somit zum Kunstwerk, das in der Welt des Bildes als auch in der Realität existiert.
Im Film „Marilyn“ hingegen wird der Geist der 1962 verstorbenen Schauspielerin durch technische Hilfsmittel zum Leben erweckt. Der Künstler baute eine einst von Monroe bewohnte Hotelsuite originialgetreu nach. Dort wurde eine Kamera zu ihren Augen, ein Computer rekonstruiert die Melodie ihrer Stimme und ein Roboter reproduziert ihre Handschrift.
Im Gespräch erläuterte Parreno die Zusammenhänge der unterschiedlichen Projekte.

Philippe Parreno. Foto: Matthias Willi
Monsieur Parreno, die beiden Filme „C.H.Z.“ und „Marilyn“ sind thematisch sehr unterschiedlich. Warum werden sie gemeinsam in der Fondation Beyeler präsentiert? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Ihnen?
Ja, den gibt es. Beide Filme sind miteinander verbunden, oder stellen vielmehr eine Beziehung zueinander her. Im Fall von „C.H.Z.“ haben wir für den Film einen Garten geschaffen, ein Stück Natur, das den Film überlebt hat und sich nach wie vor in Portugal befindet. Bei „Marilyn“ ist es genau umgekehrt: das Bild zerstört sein Thema, seinen Inhalt.
Warum haben Sie ausgerechnet Marilyn Monroe als Hauptcharakter für ihren Film ausgewählt? Welcher Impuls war maßgeblich dafür, eine Tote mit Hilfe von Technik in einem Video auferstehen zu lassen?
Ein Freund schenkte mir ein Buch mit Notizen von Marilyn. Es ist eine Art Tagebuch, und ich mochte die Worte, die ich las, sehr. Es war sehr interessant sie aus einer anderen Perspektive zu erleben. Außerdem faszinieren mich Portraits schon sehr lange. Ich habe bereits mehrere erstellt, z.B. von Zinedine Zidane.
Der Zusammenhang zwischen dem Bild und seinem Inhalt interessierte mich. Hinzu kam die Phantasmagoria, eine frühe Form des Kinos, von der ich las. Wie in einer Zirkus- oder Theatervorstellung kommt dabei ein Künstler auf die Bühne und beschwört die Illusion einer verstorbenen Person herauf. Darum geht es auch in meinem Film: Wir erschufen einen Geist und beschrieben mit Marilyns Stimme, ihrer Schrift und ihrem Blick, wer sie ist bzw. wer sie war.

Philippe Parreno: Marilyn, 2012, Standbild, Courtesy Pilar Corrias Gallery
Wie kam es dazu, dass Sie die Phantasmagoria ausgesucht und entschieden haben, dieses Stilmittel im Film zu verwenden?
Auch davon habe ich gelesen. Ich interessiere mich sehr für unterschiedliche Ausstellungsformen und die Möglichkeiten, mit Ausstellungen Geschichten zu erzählen. Die Phantasmagoria ist ja auch eine Form der Ausstellung, und sie gefällt mir sehr. Es ist wie eine Zirkusnummer: kommt und seht einen Geist, der zurückkam!
Monsieur Parreno, vielen Dank für das Interview.
Die Ausstellung ist noch bis zum 30. September täglich von 10 bis 18 Uhr und mittwochs von 10 bis 20 Uhr in der Fondation Beyeler zu sehen. Der Eintritt beträgt 25 CHF.







